30. Januar: Machtübernahme der Nationalsozialist*innen

Andrea Hanna Hünniger

Ihre Absichten verheimlicht hatten die Nazis nie. 1921 forderte Hitler ausdrücklich „Konzentrationslager“, um die „Marxisten- und Judenfrage“ zu lösen. Als Inspiration nannte er später „die Engländer“, die um 1900 in Südafrika „concentration camps“ für die verfeindeten Buren eingerichtet hatten.

Seit 1930 fanden etwa jedes halbe Jahr Wahlen statt. Bei den Reichstagswahlen am 31. Juli 1932 wurde die NSDAP auch stärkste Partei im Reichstag. Zwar durchlief die Partei 1932 eine schwere Krise, welche in einen deutlichen Rückgang der Stimmen bei der Reichstagswahl am 6. November 1932 mündete: Die NSDAP blieb dennoch stärkste Partei.

Reichspräsident Hindenburg hegte eine tiefe persönliche Abneigung gegen den „böhmischen Gefreiten“ Hitler, der nicht bereit war, sich mit weniger als der Reichskanzlerschaft zufriedenzugeben. Gleichwohl dachten sowohl Reichskanzler Heinrich Brüning als auch seine Nachfolger Franz von Papen und Kurt von Schleicher jeweils zumindest zeitweise an eine Koalition von Zentrum, DNVP und NSDAP, um eine Reichsreform ohne Beteiligung der SPD zu Stande zu bringen. Dies scheiterte aber an Hitlers Bestehen auf der Kanzlerschaft.

In den Monaten vor der „Machtergreifung“ bekämpften sie die Linke, die man als wichtigste Konkurrenz sah. Kommunist*innen und Sozialdemokrat*innen wehrten sich, mussten aber oft zurückweichen. Die Sturmabteilung (SA) übernahm auch kommunistische Treffpunkte und richtete dort Sturmlokale ein. Teils war die Polizei überfordert, teils sympathisierte sie mit den Nationalsozialist*innen oder war von ihnen unterwandert. Vielfach schritt sie bei Straßenschlachten nicht ein und setzte auch ein zwischenzeitliches SA-Verbot nicht durch.

Hitler agierte in den ersten Monaten des Jahres 1933 auf der Grundlage der Macht, die seiner Regierung und Koalition aus NSDAP und DNVP durch den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg übergebenen wurde. 

Als Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, marschierten die Braunhemden mit Fackeln durch das Brandenburger Tor. Manche forderten „24 Stunden Freizeit“, um Rache an ihren Gegner*innen zu nehmen. Noch zögerte Hitler, er war auf den Rückhalt seiner Koalitionspartner angewiesen. Neuwahlen sollten der NSDAP eine absolute Mehrheit bringen.

In Preußen aber stellten die Nazis mit Hermann Göring den kommissarischen Innenminister. Er trug der Polizei auf, gegen politische Gegner vorzugehen und, »wenn nötig, rücksichtslos von der Waffe Gebrauch zu machen«. Dazu stellte er eine 50.000 Mann starke Hilfspolizei auf – etwa zur Hälfte SA-Angehörige, die weiße Armbinden über ihre Braunhemden streiften.

Nachdem am 1. Februar der Reichstag aufgelöst worden war, schränkten die Machthaber in den folgenden von nationalsozialistischem Terror gekennzeichneten Wochen die politischen und demokratischen Rechte durch Notverordnungen des Präsidenten ein.

Der Reichstag verlor damit praktisch jegliche Entscheidungskompetenz. Neben vielen anderen wurden auch Parlamentarier ohne Gerichtsverfahren in Konzentrationslagern eingesperrt und gefoltert.

Am Abend des 27. Februar 1933 brannte der Reichstag – für die Nationalsozialisten der Anlass zum Losschlagen. Per Notverordnung von Reichspräsident Hindenburg konnte die Polizei Verdächtige ohne richterlichen Beschluss zeitlich unbegrenzt in „Schutzhaft“ nehmen.

Vor den Neuwahlen am 5. März griffen SA, die Schutzstaffel (SS) und Polizei systematisch Veranstaltungen von SPD und KPD an. Dass die NSDAP dennoch die absolute Mehrheit verpasste, war vielen SA-Männern egal – sie sahen die Stunde der Rache gekommen. In der Wahlnacht schwärmten SA-Trupps aus, stürmten Rathäuser, besetzten linke Parteigebäude und Zeitungshäuser. Dort raubten und plünderten sie, verprügelten und ermordeten politische Gegner. Bekannte Linke verschleppten sie in Sturmlokale, um sie weiter zu misshandeln.

Allein in Berlin sind 220 dieser Folterstätten nachgewiesen, viele in Kellern oder Hinterzimmern. Die Sturmlokale waren allerdings nicht dazu geeignet, viele Menschen längerfristig festzuhalten. Teils überstellte man die Gefangenen an die Haftanstalten Plötzensee, Moabit und Tegel. 

Adolf Hitler und die NSDAP hätten den Aufstieg niemals allein geschafft. Die Machtergreifung war erst durch die Hilfe vieler Beteiligter Mächte aus der Politik möglich. 

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