25. März: Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer der Sklaverei und des transatlantischen Sklavenhandels  

Márcia Moser

Vom frühen 16. Jahrhundert an bis in das 20. Jahrhundert hinein wurden von Westafrika aus schätzungsweise 12 Millionen Menschen gewaltsam verschifft und in den Amerikas zur Arbeit gezwungen. Was diese Zahl nicht abbildet: Bei den gewaltvollen Entführungen, während strapaziösen Wartezeiten in den Kerkern vor Antritt der Überfahrt, und insbesondere bei dieser Überfahrt selbst, kamen unzählige Menschen ums Leben. Die Zahl der Menschen, die im Rahmen des Transatlantischen Sklavenhandels in Afrika verschleppt wurden, lag also wesentlich höher. Der Widerstand gegen die Versklavung war vielfältig, wie die Menschen, die dieser unterworfen waren. Die Beispiele sind unerschöpflich. Da sie immer noch viel zu selten thematisiert werden, möchte ich diesen Beitrag nutzen, um auf drei populäre und zugleich sehr unterschiedliche Beispiele aus Brasilien aufmerksam zu machen.

Die Quilombo Palmares existierte von ca. 1600 bis 1694. Sie war die größte und ist bis heute die bekannteste Quilombo Brasiliens. Quilombos sind wehrhafte Siedlungen, die von aus der Versklavung entflohenen Menschen gegründet wurden. Neben jenen, die aus Afrika verschleppt und sich in Brasilien aus der Sklaverei befreit hatten, lebten in diesen Gemeinschaften auch Menschen arabischer und europäischer Herkunft. Gemein war ihnen der Widerstand gegen die Kolonialmächte. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts wuchs die Anzahl dieser Siedlungen in der Region Palmares im Norden Brasiliens. Ab den 1640ern schlossen sich einzelne Quilombos dort immer öfter zusammen; gut zwanzig Jahre später berichten erste Quellen von einer zentralen Verwaltung und Führung nach westafrikanischem Vorbild: Palmares war nun eine wehrhafte Siedlung mit einer Einwohner*innenzahl von bis zu 20.000 Menschen. Seit den Gründungen der ersten Siedlungen widersetzten sich die Bewohner*innen von Palmares fast ein Jahrhundert lang der Einnahme durch portugiesische und niederländische Kolonisatoren.

Mit der Geschichte von Palmares sind die Biografien einiger legendenumwobener Persönlichkeiten verbunden: Die kongolesische Prinzessin Aqualtune Ezgondidu Mahamud da Silva Santos hatte bereits auf dem afrikanischen Kontinent gegen die Portugiesen gekämpft, bevor sie als Gefangene nach der verlorenen Schlacht von Ambuila (29. Oktober 1665) nach Pernambuco im Norden Brasiliens verschleppt worden war. Sie gilt als eine der Gründer*innen von Palmares und wurde dort nach ihrer Flucht aus der Versklavung zu einer wichtigen Persönlichkeit. Ihr Sohn Nganga Nzumbi, bekannter unter dem Namen Ganga Zumba, wurde nach der Zusammenführung der einzelnen Quilombos deren erster König. 

Zumbi und Dandra dos Palmares führten als Königspaar von Palmares von 1665–1695 den Widerstand der Siedlung gegen die Kolonialmächte an. Beide starben 1694 bei der letzten Schlacht zur Verteidigung der Quilombo gegen die Portugiesen. Dandara nahm sich am 06. Februar 1694 das Leben, Zumbi wurde 1695 enthauptet. Sein Todestag ist Datum des wichtigsten afro-brasilianischen Feiertags: Jedes Jahr werden am 20. November anlässlich des Dia da Consciência Negra in Brasilien die Denkmäler für Zumbi zeremoniell gereinigt und mit Blumen geschmückt, begleitet von Gesängen und Tanz.

Revolta dos Malês. Neben der Errichtung wehrhafter Siedlungen, kam es seit dem frühen 16. Jahrhundert auf dem gesamten amerikanischen Kontinent regelmäßig zu Revolten, deren zentrale Akteur*innen häufig afrikanische, in den Amerikas versklavte Muslim*innen waren. Die Revolta dos Malês in der Provinz Bahia wurde in Brasilien zur Legende. Muslim*innen wurden zu dieser Zeit in Bahia malês genannt, hergeleitet von imale, der Selbstbezeichnung muslimischer Yoruba. In der Nacht vom 24. auf den 25. Januar 1835 rebellierten hunderte, aus Afrika verschleppte und in Brasilien versklavte Menschen in den Straßen von Salvador, Bahia. Über Stunden lieferten sie sich einen Kampf gegen die Polizei und bewaffnete Zivilist*innen. Ganze Straßenzüge wurden blockiert. Die Revolte scheiterte. Knapp 70 ihrer Anhänger*innen starben, mehrere hundert wurden laut Quellen zum Tode, zu Gefängnisstrafen, und zu Peitschenhieben verurteilt oder verbannt. Dennoch erzeugte die Revolta dos Malês innerhalb der brasilianischen Gesellschaft einen immensen Widerhall. Davon zeugt die schier unüberschaubare Menge an Dokumenten parlamentarischer und gerichtlicher Verhandlungen. In der gesamten Republik folgte eine Verschärfung der Überwachung freier und versklavter Afrikaner*innen, da Nachahmungen befürchtet wurden. Die Haitianische Revolution von 1791 hatte gezeigt, dass nicht jeder Widerstand gebrochen werden kann.

Mahommah Gardo Baquaqua. Das letzte der drei Beispiele erzählt von individuellem Aufbegehren. Mahommah Gardo Baquaqua wurde im Alter zwischen 15 und 25 Jahren aus dem heutigen Bénin nach Brasilien verschleppt. Er lebte zwei Jahre versklavt in Brasilien, zunächst in Olinda, dann in Rio de Janeiro. Dort war er gezwungen, für einen Kapitän auf einem Schiff zu arbeiten. Als dieses im Juni 1847 im New Yorker Hafen anlegte, gelang es ihm und zwei weiteren Personen mit Unterstützung von New Yorker Abolitionist*innen das Schiff zu verlassen. Obwohl in den Nordstaaten der USA die Versklavung von Menschen zu diesem Zeitpunkt offiziell bereits verboten war, sperrte man ihn ein und zwang ihn anschließend zur Rückkehr auf das Schiff. Als ihm die Flucht von dort erneut gelang, reiste er weiter nach Haiti. Dort machte Baquaqua Bekanntschaft mit einem Baptistenpfarrer, der ihn Französisch und Englisch lehrte und mit einem Netzwerk baptistischer Abolitionist*innen in den USA vertraut machte. Baquaqua, der in einer muslimischen Familie groß geworden war, konvertierte zum Christentum. 1849, zwei Jahre nach seiner Ankunft in Haiti, zog er erneut in die USA. Unterstützt durch Abolitionist*innen studierte er drei Jahre am New York Central College in MacGrawville. Bereits während seiner Zeit in Haiti hegte Baquaqua den Wunsch nach Afrika zurückzukehren. Unter den baptistischen Abolitionist*innen ging man davon aus, er würde zukünftig in Afrika als christlicher Missionar wirken. Von den USA aus zog er 1854 jedoch zunächst weiter nach West-Kanada, später lebte er in Liverpool. Seine Spur verliert sich 1857 nach einer jahrelangen Odyssee.

Mahommah Gardo Baquaqua hinterließ seine Lebensgeschichte in Form einer Autobiografie, die er vermutlich in den Jahren seines Studiums verfasste. 1854 wurde die Autobiografie von dem Unitarier Samuel Downing Moore in Detroit publiziert. Es ist die bis heute einzige vorliegende Slave Narrative eines in Brasilien versklavten Menschen.

 

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