18. Juli: Anschlag Amia, Argentinien

Benjamin Fischer

Am 18. Juli erschütterte ein Terroranschlag in Argentinien die Welt, insbesondere die jüdische Gemeinschaft. Argentinien beherbergt eine der größten jüdischen Gemeinden außerhalb Israels, mit etwa 200.000 Mitgliedern. AMIA, eines der lebhaftesten jüdischen Gemeindezentren in Buenos Aires, wurde nahezu vollständig durch eine der größten Autobomben, die jemals bei einem Terroranschlag verwendet wurden, zerstört. Fünfundachtzig Menschen verloren ihr Leben, Hunderte wurden verletzt. Die Gemeinschaft hat sich nie vollständig erholt. Bis heute ist der Fall nicht gelöst, dennoch ist es ein offenes Geheimnis, dass die Hisbollah und das iranische Regime die Strippen für den Anschlag zogen. Das Versagen, die Verantwortlichen für die Morde zur Rechenschaft zu ziehen, einschließlich des verdächtigen Todes des Hauptermittlers Alberto Nisman, hat ein öffentliches Trauma verursacht. Zwei Jahre vor und bis zu acht Tage nach dem Anschlag ereigneten sich weitere tödliche Attacken – vermutlich wurden alle von iranischen Tätern verübt.

Der Anschlag hatte eine bedeutende Auswirkung sowohl auf die jüdische Gemeinschaft in Argentinien als auch weltweit. Die Polizeipräsenz vor jüdischen Einrichtungen weltweit wurde seitdem verstärkt, auch in Deutschland. Dies betrifft Schulen, Kindergärten und Gemeindezentren. Schon lange bevor ich etwas über die lateinamerikanische jüdische Gemeinschaft wusste, hatte ich von AMIA und dessen Einfluss auf das jüdische Leben gehört. Einige ältere Alumni der jüdischen Oberschule in Berlin erzählten mir, dass der Sicherheitszaun um die Schule in Berlin Mitte nach den Anschlägen errichtet wurde. Immer wenn ich ehemaligen Besucher*innen Berlins meine frühere Schule zeigte, äußerten sie, dass sie das Gebäude irrtümlich für ein Gefängnis gehalten hatten. Das Verständnis, dass jüdische Gemeinden selbst Opfer bösartiger staatlicher Akteure im Konflikt mit dem Staat Israel werden können, bestand schon vorher, wurde aber durch AMIA gefestigt. Für manche mag AMIA wie ein ferner Vorfall klingen, der es wert ist, erinnert zu werden. Aber für diejenigen, die solche Gebäude täglich betreten, ist es eine schmerzliche Erinnerung daran, weshalb Sicherheit im jüdischen Alltagsleben eine derart zentrale Rolle spielt.

Möge das Gedenken an die vor, während und nach den Anschlägen Ermordeten für immer ein Segen sein.

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