2. und 3. Mai 1999: Massaker von Studime in Vushtrri

Vatan Ukaj

Das Massaker von Studime ereignete sich im Rahmen des Kosovokriegs, im Zuge der Jugoslawienkriege. Durch die gewaltvolle Okkupation der serbischen Streitkräfte über die Stadt Vushtrri und einige ihrer umliegenden Dörfer wurden die albanischen Bewohner*innen gezwungen, ihre Häuser zu verlassen, um vor Misshandlung, Mord und Terror der Serb*innen zu fliehen. Albanisch sprechen war bereits seit 1990 durch die erlassenen Dekrete der Regierung Milošević verboten.

Die Vertreibung, Vernichtung und Auslöschung der Nachfahren der Illyrer, die damaligen Dardanët und heute ethnischen Albaner*innen in Kosovë, waren für die Serben unter Führung von Slobodan Milošević ein wichtiges politisches Ziel. Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Ein Konvoi von rund 1.000 albanischen Kosovarë machte sich auf den Weg, um vor den serbischen Truppen östlich von Vushtrri zu fliehen. Die serbische Polizei und paramilitärische Einheiten erreichten den südwärts fahrenden Konvoi. Im Konvoi wurden weiße Friedens-Flaggen gehalten. Zwischen dem 2. und 3. Mai wurden 120 Menschen zwischen Studime e Epërme und Studime e Poshtme nahe Vushtrri getötet.

Der Rückzug der Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK) wurde von den serbischen Streitkräften ausgenutzt, um albanische Dörfer niederzubrennen. Zuerst wurden die Dörfer Melenicë, Shalë e Bajgorës, Tërllabuq, Kurullovë, Skoçnë und weitere attackiert, gefolgt von mehreren anderen Dörfern im nordöstlichen Teil von Vushtrri und schließlich Studime e Epërme. Dort schlossen sich insgesamt etwa 30.000 bis 40.000 Zivilist*innen aus verschiedenen Orten wie Ceceli, Sllakovc, Drenicë, Llap und weiteren zusammen. Ihnen stand nur eine Straße zur Flucht zur Verfügung, die Route führte von Studime e Epërme über Studime e Poshtme nach Vushtrri.

Ein Konvoi von Zivilist*innen setzte sich auf Befehl von serbischen Polizeibeamten in Richtung Vushtrri in Bewegung, wobei sie gezwungen waren, die einzige verfügbare Route zu nutzen. „Die Flucht war von Angst vor den serbischen Truppen begleitet, da die Menschen befürchteten, dass Tschetnik-Paramilitärs und serbische Soldaten bald kommen und uns, alle albanischen Menschen umbringen würden“, wie von Shukri Gёrxhaliu, einem Überlebenden, berichtet wurde.

Die serbischen Paramilitärs erreichten Studime e Epërme nach dem Niederbrennen der Dörfer und begannen ein Massaker an der albanischen Zivilbevölkerung.

Das Eintreffen der serbischen paramilitärischen Kräfte bedeutete das Ende für viele Zivilist*innen im Konvoi. Die Paramilitärs setzten die albanische Bevölkerung unter Druck, zerstörten Fahrzeuge und begannen schließlich gegen Abend mit Morden und Massakern an 120 albanischen Zivilist*innen.

Ein Teil des Konvois entkam dem Massaker und wurde in das Rathaus Vushtrri gebracht, das unter strenger Kontrolle serbischer Paramilitärs stand. Die Bedingungen dort waren miserabel, da die Menschen ohne Essen, Trinken und minimale Lebensbedingungen übernachten mussten.

Während ihres Aufenthalts im Rathaus wurden einige Zivilist*innen von serbischen Kräften abgeholt und hingerichtet. Eine Gruppe von Frauen, älteren Menschen und einigen Männern wurde in ein anderes Ortsviertel gebracht, während eine Gruppe von Männern im Gefängnis von Smrekonica festgehalten und misshandelt wurde.

Die Ermordung der albanischen Zivilist*innen in Studime war keine zufällige Handlung, sondern geschah aufgrund eines Befehls, wie verschiedene Zeug*innen berichteten. Am 3. Mai versuchten die Serben, die Leichen zu bergen und zu beseitigen, wurden jedoch von UÇK-Soldaten aufgehalten, was ihr Vorhaben vereitelte. Schließlich gelang es zwei UÇK-Soldaten mit Hilfe von Zivilist*innen, die Leichen des Massakers zu begraben. Die Beerdigung dauerte drei Tage, vom 3. bis zum 5. Mai.

Der Ermittler des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) Romeu Ventura gab an, dass am 2. Mai 120 Zivilist*innen von serbischen Truppen ermordet und zwei Tage später fünf Meilen östlich von Vushtrri in einem Massengrab begraben wurden.

Während des ICTY in Den Haag wurde lediglich gegen den serbischen Polizeigeneral Vlastimir Đorđević der Fall Vushtrri verhandelt. In der Anklageschrift gegen Đorđević wurde festgestellt, dass durch seine Verantwortlichkeit albanische Kosovarë bei dem Massaker in der Nähe des Dorfes Studime am 2. Mai 1999 getötet wurden. Đorđević wurde zu 27 Jahren Haft verurteilt.

Der Schuldspruch gegen ihn erfasst Tatbestände wie Deportation und Vertreibung von 800.000 albanischen Kosovarë, vielfachen Mord, Zerstörung von kulturellen und religiösen Stätten. Dennoch gab es weit mehr als 100 zusätzliche Täter, gegen die im Rahmen des ICTY nicht ermittelt wurde.

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