Die CPPD vereint 100 Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen mit über 250 Organisationen. 2025 fokussierte die Arbeit auf postkoloniales Erinnern und vietdeutsche Diaspora – mit einem Ausstellungsraum, der durch Europa tourte. Mit dem Europäischen Kongress »The Times They Are A-Changin’«, dem Festival »Memory Matters« in Halle, Rostock und Chemnitz sowie unserem Pluralen Gedenkkalender haben wir vielfältige Themen pluralen Erinnerungskultur bearbeitet. Besonders unsere Festivals in Ostdeutschland zeigten: Plurales Erinnern stärkt demokratische Strukturen und wirkt als Modus gesellschaftlicher Partizipation.
Unser Jahresrückblick zeigt Bilder und Eindrücke aus dem zurückliegenden Jahr und gibt Einblicke in unsere Festivals, Veranstaltungen und Dynamic Memory Labs in Berlin, Halle, Rostock, Chemnitz, Madrid und Zürich.
Im Jahr 2026 wollen wir unsere Arbeit fortsetzen und die Wirkung der CPPD weiter ausbauen: durch stärkere Kooperationen, neue Formate des Austauschs und gezielte Unterstützung dort, wo Zivilgesellschaft besonders gefordert ist. Unter der Überschrift »Voices Rising« planen wir die nächsten europäischen Festivals, Vernetzungstreffen und Workshops sowie weitere Dynamic Memory Labs.
13.–14. November 2025 | Zürich/Schweiz
Eine Veranstaltung in Kooperation mit not_your_bubble, einem Projekt des Zürcher Instituts für interreligiösen Dialog (ZIID)
Die Gestaltung einer pluralen, zeitgemäßen Erinnerungskultur benötigt nachhaltige Strukturen und langfristige Zusammenarbeit über europäische Ländergrenzen hinweg. Gerade vor dem Hintergrund sich zuspitzender gesellschaftlicher Polarisierungen in Europa schaffen plurale und nichtöffentliche Räume eine entscheidende Voraussetzung: Sie bieten Gelegenheit für Austausch und Vernetzung europäischer Akteur*innen und ermöglichen das Erarbeitung konkreter Konzepte und Strategien für eine plurale, inklusivere und zukunftsorientierte Erinnerungskultur. Über die Frage nach safe(r), brave(r) oder accountable spaces hinaus müssen diese Räume so gestaltet werden, dass sie die Sichtbarkeit vielfältiger Perspektiven ermöglichen und den Kreis derer erweitern, die an der Gestaltung von Erinnerungskultur teilhaben – für eine Pluralität der Erinnerung, die unsere europäische Demokratie zu stärken vermag.
Im Rahmen des europäischen Netzwertreffens der CPPD kamen zivilgesellschaftliche Akteur*innen aus unterschiedlichen europäischen Zusammenhängen in Zürich zusammen, um über Zusammenarbeit in erinnerungskulturellen und -politischen Kontexten zu reflektieren, Projekte vorzustellen und Strategien für die gemeinsame Arbeit zu entwickeln. Dabei stand das Spannungsverhältnis zwischen länderspezifischen Rahmenbedingungen und der Notwendigkeit europäischer Kooperation und länderübergreifender Strategien im Zentrum des Treffens.
Anhand ausgewählter Projekte, dem Video- und Audioprojekt „Atemräume“ zu Fragen der Zugehörigkeit, Gewaltgeschichte, Erinnerungskultur und Sichtbarkeit (Brunnenpassage Wien), dem Dynamic Memory Lab „Cycles of Decolonisation“ zu Dekolonisierungsprozessen in Europa (CPPD) und der Veranstaltung „Neutralitätstheater – Mythos Schweiz auf dem Prüfstand!“ zu Leerstellen in der Schweizer Erinnerungskultur wurden vielfältige Zugänge zu zentralen erinnerungskulturellen Diskursen aufgezeigt und diskutiert.
Hannan Salamat fasste das Ergebnis des Netzwerktreffens zusammen, indem sie betonte, „dass der Motor für transformative Prozesse vor allem der Zusammenhalt und das Engagement der Zivilgesellschaft ist, die sich sichere, mutige und verantwortungsvolle Räume erarbeitet.“
Der Plurale Gedenkkalender 2026 im Posterformat ist demnächst erhältlich und kann ab sofort vorbestellt werden.
Der Plurale Gedenkkalender versammelt erinnerungspolitische Ereignisse und stellt sie in den Kontext pluralen Erinnerns. Der Kalender wird fortlaufend aktualisiert, ist prozesshaft und erweiterbar. Er umfasst offizielle Gedenktage und plurale Erinnerungsereignisse und versammelt Beiträge von CPPD-Mitgliedern und Gastautor*innen in journalistischen, wissenschaftlichen und kreativen Formaten. Er verweist dabei auf „Erinnerungslücken“ und füllt Leerstellen im öffentlichen Erinnern. Wer den Pluralen Gedenkkalender 2026 als Poster erhalten möchte, kann ihn bis zum 1. Dezember 2025 hier bestellen. Im Anschluss beginnt der Versand – also am besten gleich sichern!

Das diesjährige Europäische Netzwerktreffen der CPPD steht unter dem Motto: „Über Grenzen hinweg!“ Gemeinsam wollen wir folgende Fragen erkunden: Wie schaffen wir Räume, in denen globale Verstrickungen sichtbar werden – und lokales Handeln dennoch möglich bleibt? Was brauchen wir, um jenseits von geografischen, institutionellen, aber auch persönlichen und positionellen Grenzen handlungsfähig zu bleiben? Dabei möchten wir nicht bei Null anfangen, sondern an Bestehendes anknüpfen: Das Netzwerktreffen ist bewusst offen und dialogisch gestaltet, mit Raum für Resonanz, Austausch und gemeinsames Weiterdenken.
Am Donnerstag möchten wir gemeinsam darüber nachdenken, mit welcher Intention wir als Gastgebende Austauschräume schaffen und mit welcher Haltung wir als Teilnehmende in solche Räume eintreten. Welche Voraussetzungen braucht es, um plurale und mehrperspektivische Resonanzräume entstehen zu lassen – Räume, die uns herausfordern, ohne uns zu überfordern? Dabei stellt sich auch die Frage, wann geschützte Räume notwendig sind, um Sicherheit und Vertrauen zu ermöglichen, und wo es vielmehr mutige Räume braucht, die uns dazu anregen, Grenzen zu hinterfragen und neue Perspektiven zuzulassen. Schließlich erkunden wir gemeinsam, wie wir Identität verstehen: Wann kann Identitätsdenken produktiv und verbindend wirken – und wann führt es dazu, dass wir uns voneinander entfernen?
Am Freitag laden wir dazu ein, gemeinsam zu erkunden, was es braucht, um über geografische, institutionelle und disziplinäre Grenzen hinweg handlungsfähig und solidarisch zu bleiben. Wir blicken auf Projekte aus der Schweiz, Deutschland und Österreich, die uns getragen und inspiriert haben, und beleuchten zugleich die unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Kontexte. Dabei erörtern wir die Frage, wie wir angesichts aktueller Herausforderungen neue Formen des Denkens, Handelns und Miteinanders erproben können. Wie lässt sich das Morgen bereits heute üben – in unseren Strukturen, in unserer Praxis und in unserem gemeinsamen Gestalten?
Das Europäische Netzwerktreffen findet in Kooperation mit not_your_bubble statt.

Die Digitalisierung prägt grundlegend die Art und Weise, wie Erinnerung bewahrt und Geschichte vermittelt wird. Digitale Archive, KI-gestützte Zeitzeug*innen-Gespräche und holografische Darstellungen schaffen neue Zugänge zu historischen Erfahrungen. Zugleich stellen sie uns vor zentrale Herausforderungen: Wie können historische Zeugnisse digital vermittelt werden, ohne der Logik von Plattformen und Algorithmen unterworfen zu werden? Welche Bedeutung haben physische Gedenkorte, wenn Erinnerung verstärkt virtuell stattfindet?
Das CPPD-Festival »Memory Matters« am 8. Oktober 2025 in Chemnitz nahm diese Fragestellungen in Kooperation mit OFFENER PROZESS – Ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex auf. In der Europäischen Kulturhauptstadt 2025 begegnen sich Erinnerung, Transformation und gesellschaftlicher Diskurs auf unmittelbare Weise.
Den Kern des Festivals bildete die Paneldiskussion „Erinnerungsarbeit in digitalen Räumen“ mit Dr. Jonas Fegert, Nhi Le und Susanne Siegert unter der Moderation von Benjamin Fischer. Die Diskussion untersuchte, wie sich Erinnerungskultur in digitalen Öffentlichkeiten wandelt und welche ethischen sowie politischen Verantwortlichkeiten damit einhergehen. Susanne Siegert, Journalistin und Influencerin, beleuchtete die Schwierigkeiten, historische Forschung für soziale Medien aufzubereiten – im Spannungsfeld zwischen Aufmerksamkeitsgenerierung einerseits und der Gefahr von Vereinfachung und Sensationalisierung andererseits. Sie unterstrich das Potenzial digitaler Plattformen und betonte zugleich, dass Institutionen in Zeiten kontinuierlicher Paradigmenwechsel flexible und lernfähige erinnerungspolitische Strategien entwickeln müssen, um jüngere Generationen zu erreichen. Jonas Fegert stellte heraus, dass die Erforschung von Informationssystemen und sozialen Netzwerken unmittelbar mit demokratischen Prozessen und Minderheitenrechten verknüpft ist, da digitale Plattformen gesellschaftliche Diskurse und Erinnerungskulturen zunehmend prägen. Er warnte davor, dass algorithmische Strukturen und synthetische Medien Inhalte emotionalisieren und manipulieren können, was öffentliche Wahrnehmung und demokratische Abläufe tiefgreifend beeinflusst. Nhi Le richtete die Aufmerksamkeit auf postmigrantische Perspektiven und die Frage, wie digitale Öffentlichkeiten marginalisierten Stimmen Gehör verschaffen können.
Das Panel schloss mit konkreten Hinweisen auf Best-Practice-Beispiele von Susanne Siegert sowie der Forderung nach stärkerer politischer Fokussierung auf eine staatlich geförderte digitale Infrastruktur. Diese sollte demokratische Kommunikationskulturen und inklusive Formen kollektiver Erinnerung in sozialen Netzwerken ermöglichen und antidemokratischen Tendenzen entgegenwirken. Besonders hinsichtlich der generationalen Kluft können transdisziplinäre Ansätze neue Wege eröffnen, Geschichte als dynamischen Erfahrungsraum zu verstehen, in dem Teilhabe zu einem reflexiven und partizipativen Prozess wird und somit Verantwortungsbewusstsein und Kontextualisierung stärkt.
Parallel dazu fand ein Vernetzungstreffen mit Akteur*innen regionaler und bundes-weiter Erinnerungsinitiativen statt. Im Mittelpunkt standen Austausch und Zusammenarbeit zu Projekten und Ressourcen, insbesondere dort, wo Erinnerungsarbeit zunehmend in digitale Räume überführt wird. Die Entwicklung fiktiver digitaler Projekte machte deutlich, wie entscheidend durchdachte Prozesse sind, um junge Zielgruppen einzubinden und zu beteiligen. Eine Führung durch die Ausstellung „Offener Prozess“ und der Workshop „re:member the future“ gewährten Einblicke in die Vermittlungsansätze des Dokumentationszentrums und zeigten, wie digitale Interventionen im Stadtraum an die durch den NSU Ermordeten erinnern – in einer Stadt, die bis heute keinen offiziellen Gedenkort etabliert hat.
Das Dynamic Memory Lab präsentierte eine komprimierte Fassung der Ausstellung »Nước Đức« im kuratorischen Bereich des OFFENER PROZESS – Ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex. Eine Kurator*innenführung mit Nina Reiprich und Dan Thy Nguyen veranschaulichte, wie sich vietnamesisch-deutsche Erinnerungsgeschichten zwischen Flucht, Vertragsarbeit, Gewalterfahrungen und Selbstermächtigung entfalten – und wie eng Fragen digitaler Erinnerung, Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Sichtbarkeit miteinander verflochten sind.
Das Festival unterstrich, dass Erinnerungskultur im digitalen Zeitalter neue Vermittlungsformen und Verantwortungsstrukturen erfordert. Digitale Räume können historische Erfahrungen erweitern, dürfen jedoch reale Begegnungen und physische Orte nicht ersetzen. Erinnerung bleibt – auch in digitalen Kontexten – eine gesellschaftliche Aufgabe, die kontinuierliche Aufmerksamkeit, Anpassungsfähigkeit, institutionelle Verantwortung und öffentliche Förderung verlangt.

Rostock | 20. & 21. September 2025
Was passiert, wenn Erinnerungen aufeinandertreffen, die jahrzehntelang getrennt waren? Wenn vietnamesische Lieder aus den 1990er-Jahren gespielt werden, während Geschichten von Flucht und Vertragsarbeit geteilt werden? Das CPPD-Festival „Memory Matters. Erinnern im Konflikt“ am 20. und 21. September in Rostock zeigte eindrücklich, wie Plurale Erinnerungskultur verschiedenste Communities und Generationen zusammenbringt und hinterfragt, wie wir unsere deutsche und europäische Geschichte erzählen. An zwei intensiven Tagen wurde diskutiert und zugehört – aber auch Karaoke gesungen, getanzt und Phở nach Art der Vertragsarbeiter*innen bei einer interaktiven Kochshow gegessen.
Höhepunkt des Festivals war die Eröffnung des neuen Dynamic Memory Lab „Nước Đức. Vietnamesisch-Deutsche Migrationsgeschichte(n)“ von den Kurator*innen Dan Thy Nguyen und Nina Reiprich. Die Ausstellung beleuchtet Erinnerungen und Erfahrungen der vietdeutschen Community zwischen Flucht und Vertragsarbeit, Nord- und Südvietnam, Ost- und Westdeutschland. Geschichten, die von Rassismus und Gewalt erzählen, aber ebenso von Selbstermächtigung, Solidarität und künstlerischer wie gesellschaftlicher Gestaltungskraft. Erzählt werden diese Geschichten von den ausgestellten und bei der Eröffnung anwesenden Künstler*innen und Aktivist*innen, die in ihren Arbeiten persönliche Erfahrungen mit politischen Fragestellungen verbinden. „Sie machen deutlich: Erinnerung ist nicht nur Rückschau, sondern ein Werkzeug, mit dem wir Gegenwart und Zukunft gestalten können“, so die Kurator*innen.
In Workshops, Panels und im Rahmen eines Vernetzungstreffens wurden neue Brücken zwischen Generationen und Himmelsrichtungen geschlagen, Traumata und Wut anerkannt, aber auch Räume für selbstermächtigende Narrative eröffnet:
Auf dem Panel „Sprachlos in Nứớc Đức“ diskutierten Nhi Le, Dan Thy Nguyen und Vu Thanh Van, moderiert von Vũ Vân Phạm über Herausforderungen von intergenerationellem Erinnern und teilten ihre Erfahrungen aus unterschiedlichen Perspektiven zwischen der ersten und zweiten Generation vietdeutscher Migration, zwischen Ost- und Westdeutschland bzw. Nord- und Südvietnam: Was wird geteilt, was verschwiegen – und weshalb? Die Panelist*innen betonten dabei die Notwendigkeit, Fremdzuschreibungen zu widersprechen, biografische Verengungen zu überwinden und sich radikal und selbstbewusst zu fragen: Was macht uns aus? Welche Werkzeuge haben wir? Und wie überwinden wir Traumata und schaffen Verbindungen zwischen den Narrativen
In zwei Workshops wurden unterschiedliche lokale Erinnerungsanlässe und -schwerpunkte beleuchtet: Die Exkursion „Lichtenhagen im Gedächtnis“ führte die Teilnehmenden in Kooperation mit dem Dokumentationszentrum „Lichtenhagen im Gedächtnis“ zu verschiedenen historischen und symbolischen Orten der Hansestadt, die mit dem Pogrom von Lichtenhagen 1992 in Verbindung stehen. In einem zweiten Workshop kamen die Teilnehmenden nach einer Führung durch die Ausstellung „Lebenswege – vietnamesische Rostockerinnen erzählen“ durch Diên Hông. Gemeinsam unter einem Dach e.V. zu unterschiedlichen Aspekten von Rassismuserfahrungen und solidarischem Community-Building ins Gespräch.
Das Vernetzungstreffen für erinnerungspolitische und -kulturelle Akteur*innen bot nach den Stationen in Berlin und Halle weiter Räume für den konkreten Austausch und die gemeinsame Arbeit. Unter dem Schwerpunkt Erinnern als Ermächtigung diskutierten die Teilnehmenden über notwendige Formate und Räume sowie Ressourcen und Strukturen als Bedingung für eine solidarische und nachhaltige Erinnerungsarbeit. Sie betonten dabei die dringende Notwendigkeit machtkritischer Räume und Netzwerke, die langfristige und solidarische Zusammenarbeit ermöglichen.
Zum Abschluss des Festivals kamen die Besucher*innen, darunter viele Familien aus der ersten und zweiten Generation aus der Rostocker vietdeutschen Community, zu einem ganz besonderen Kochevent und gemeinsamen Essen am DML zusammen: Wie kochte die Rostocker vietnamesische Community in den Achtzigern? Das Format widmete sich genau dieser Frage. Die Köchin Thuy Nguyen Thi Bich der KTV Kantine kochte vietnamesisch mit den Zutaten, die in der DDR verfügbar waren und teilte Erinnerungen an eine Küche zwischen Tradition, Improvisation und pragmatischer Anpassung.
Nach den Dynamic Memory Labs der CPPD zu Dekolonialisierung und zu Erinnerungskulturen in Sinti- und Roma-Communities zeigt dieses dritte Lab und das gesamte Festival eindringlich: Temporäre und modulare Räume der Erinnerung sind gerade jetzt, da Räume für Plurales Erinnern gesellschaftlich zurückgedrängt werden, von enormer Bedeutung für unsere demokratische Gesellschaft. Sie schaffen Orte des Austauschs, der Begegnung und des Verstehens – und damit unverzichtbare Grundlagen für ein demokratisches Miteinander.
Die Eröffnung des Dynamic Memory Lab Nươc Đưc war Teil des dezentralen heimaten Festivals. Das heimaten Netzwerk ist eine Initiative von Haus der Kulturen der Welt im Rahmen von heimaten, gefördert durch Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags.
Fotos: © Natalia Reich, 2025






Am 8. Oktober 2025 findet das CPPD-Festival »Memory Matters« mit dem Schwerpunkt auf „Erinnerung in digitalen Räumen“ in Kooperation mit OFFENER PROZESS – Ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex in Chemnitz statt.
Die Digitalisierung eröffnet der Erinnerungskultur neue Möglichkeiten. Zeitzeug*innen-Interviews können als Grundlage für das Training großer Sprachmodelle dienen, die auch nach dem Tod der Überlebenden Fragen beantworten. Hologramme ermöglichen scheinbar authentische Begegnungen mit Zeitzeugen über ihre Lebenszeit hinaus. Digitale Archive machen historische Dokumente weltweit zugänglich. Doch technologischen Innovationen bergen erhebliche Risiken. Werden Algorithmen auf Basis historischer Zeugnisse trainiert, stellen sich Fragen nach Authentizität und Manipulation: Wer kontrolliert, was digitale „Zeitzeug*innen“ aussagen? Wie lassen sich Verzerrungen oder gar bewusste Geschichtsfälschungen verhindern?
Besonders problematisch ist das Spannungsfeld zwischen digitaler und physischer Erinnerung. Zahlreiche Ereignisse der europäischen Gewaltgeschichte verfügen noch immer nicht über angemessene Gedenkorte. Gleichzeitig droht die Digitalisierung als bequeme Ausrede zu dienen: Warum Denkmäler errichten oder Gedenkstätten finanzieren, wenn sich Erinnerung auch virtuell inszenieren lässt?
Die bisherigen Erfahrungen mit digitalen Erinnerungsräumen in virtuellen Welten wie „Second Life“ oder dem „Metaverse“ stimmen skeptisch: Ohne kontinuierliche Pflege und Investitionen verkommen sie rasch zu digitalen Brachen. Hinzu kommen Abhängigkeiten von privatwirtschaftlichen Akteur*innen, deren Interessen nicht notwendigerweise mit denen einer verantwortungsvollen Erinnerungskultur übereinstimmen. Jüngste Entwicklungen bei Meta oder X zeigen, wie schnell Unternehmensstrategien wechseln – mitunter auf Kosten erinnerungskultureller Projekte. Erinnerung jedoch erfordert Beständigkeit und Verlässlichkeit, Eigenschaften, die private Plattformen nicht garantieren können.
Die zentrale Frage lautet daher: Wie können digitale Methoden die Erinnerungskultur bereichern, ohne sie zu verdrängen oder zu gefährden? Und wie lässt sich die Integrität historischer Zeugnisse in einer Zeit algorithmischer Reproduzierbarkeit und unternehmerischer Kontrolle wahren? Das dritte CPPD-Festival »MEMORY MATTERS« am in der europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz widmet sich diesen und weiteren Fragen und digitalen Ansätzen und Methoden in der Erinnerungskultur und -politik. Das Festival wird in Kooperation mit dem NSU-Dokumentationszentrum durchgeführt und bietet zahlreiche Möglichkeiten für Begegnung, Vernetzung und die gemeinsame Entwicklung erinnerungskultureller und -politischer Projekte.
Programm
VERNETZUNGSTREFFEN
10:00 – 13:00 Uhr | Vermittlungsraum, OFFENER PROZESS – Ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex
Nach den ersten Stationen in Halle und Rostock möchten wir mit dem Vernetzungstreffen am 8. Oktober in Chemnitz weitere Räume für konkreten Austausch und die Fortsetzung unserer gemeinsamen Arbeit gestalten. Im Fokus stehen die Herausforderungen der Erinnerungsarbeit in digitalen Räumen – und die Entwicklung von Vorschlägen, wie sie dennoch gelingen kann. Ziel des Formats ist es, lokale, regionale und bundesweit agierende Institutionen, Organisationen und Akteur*innen aus dem erinnerungspolitischen und -kulturellen Feld miteinander zu vernetzen und Synergien zwischen Themen, Ressourcen und Projekten zu schaffen.
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WORKSHOP 1: Führung durch die Ausstellung „Offener Prozess“
14:00 – 15:00 Uhr | OFFENER PROZESS – Ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex
Bei der Führung durch das Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex erhalten die Teilnehmer*innen Einblick in Aufbau und Themenschwerpunkte der Ausstellung und können sich über kuratorische Fragen austauschen. Nach einer 45-minütigen Führung durch die Ausstellung findet ein 15-minütiger Austausch statt. Hier ist Raum für Fragen und Diskussionen.
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WORKSHOP 2: Einführung in den digitalen Erinnerungsort „re:member the future“
15:30 – 16:30 Uhr | OFFENER PROZESS – Ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex, Treffpunkt am Haupteingang
re:member the future ist eine interaktive Intervention im öffentlichen Raum der Stadt Chemnitz, weil es bisher keinen offiziellen Erinnerungsort der Stadt an die durch den NSU Ermordeten gibt. Sie dient dem Gedenken an die Ermordeten, Verletzten und Überlebenden des NSU-Terrors. Sie ist eine notwendige Arbeit gegen das bereits auftretende Vergessen und erinnert dabei an die ausgelöschten Leben, aber auch an die Widerständigkeit und Forderungen der Überlebenden an eine rassistische Gesellschaft.
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PANELDISKUSSION: „Erinnerungsarbeit in digitalen Räumen“
Einlass ab 18:00 Uhr | Beginn 18:30 Uhr
Willkommensbereich, OFFENER PROZESS – Ein Dokumentationszentrum zumNSU-Komplex
Die Digitalisierung eröffnet der Erinnerungskultur neue Möglichkeiten – von KI-gestützten Zeitzeug*innen-Interviews über holografische Begegnungen bis hin zu global zugänglichen digitalen Archiven. Gleichzeitig stellen sich neue Herausforderungen. Als diesjährige Europäische Kulturhauptstadt ist Chemnitz eine Stadt der Gegensätze – geprägt von lebendiger Vielfalt und gleichzeitig von den Herausforderungen einer gewaltvollen Vergangenheit. Der Offene Prozess – ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex, verkörpert diese Auseinandersetzung mit Geschichte vor Ort und bietet einen besonderen Rahmen, um über die Zukunft der Erinnerungskultur zu diskutieren und dabei digitale Methoden zu erkunden, ohne die Integrität oder die Bedeutung physischer Orte des Gedenkens zu gefährden.
Gemeinsam mit den Expert*innen Dr. Jonas Fegert, Nhi Le und Susanne Siegert diskutiert Moderator Benjamin Fischer, wie digitale Methoden die Erinnerungskultur transformieren können. Dabei werden sowohl Chancen – wie neue Zugänge zu historischen Erfahrungen oder innovative Vermittlungsformate – als auch Risiken thematisiert, etwa Fragen der Authentizität, Manipulation oder die Nutzung privater Plattformen.
Die Veranstaltung „Erinnerungsarbeit in digitalen Räumen“ wird mit dem Programm Future 500 und in Kooperation mit Offener Prozess – ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex realisiert.
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AUSSTELLUNG: Dynamic Memory Lab – Erinnerungsbooth „Nước Đức. Vietnamesisch-Deutsche Migrationsgeschichte(n)“
Ab 18:00 Uhr | OFFENER PROZESS – Ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex
Das Dynamic Memory Lab »Nước Đức« nimmt die vietnamesisch-deutsche Migrationsgeschichte in den Blick und geht der Frage nach, wie Geschichte erinnert und erzählt – oder auch verdrängt und verschwiegen wird. Im Fokus der Ausstellung stehen Erinnerungen und Erfahrungen der vietdeutschen Community, die sich über mehrere Jahrzehnte zwischen Flucht und Vertragsarbeit, zwischen Nord- und Südvietnam und Ost- und Westdeutschland, zwischen Gewaltgeschichte und Selbstermächtigung bewegen und überkreuzen. Wir zeigen eine komprimierte Version der ursprünglichen Ausstellung, die am 20. September in Rostock eröffnet wurde.
Kuratiert von Dan Thy Nguyen und Nina Reiprich, mit Beiträgen von Phuong Dan, KI Bui, Minh Duc Pham, Nhi Le und weiteren.

Am 20. und 21. September macht das CPPD-Festival »Memory Matters« Station in Rostock. Höhepunkt der Veranstaltung ist die Eröffnung des dritten Dynamic Memory Lab »Nước Đức. Vietnamesisch-Deutsche Migrationsgeschichte(n)«.
PROGRAMM:
VERNETZUNGSTREFFEN
für erinnerungskulturelle und -politische Akteur*innen
10:00–14:00 Uhr | Peter Weiss Haus
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WORKSHOP 1: Exkursion entlang der dezentralen Gedenkorte „Gestern Heute Morgen“ zum Pogrom in Rostock-Lichtenhagen 1992
14:30–15:30 Uhr | Treffpunkt: Rathaus, Rostock, Neuer Markt 1a, 18055 Rostock
ÖPNV: Tramhaltestelle Neuer Markt, Linien 1,4,5,6 ; fußläufig 15 min. vom Peter Weiss Haus
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WORKSHOP 2: Führung durch die Ausstellung „Lebenswege – vietnamesische Rostocker*innen erzählen“ (Diên Hồng – Gemeinsam unter einem Dach e. V.)
14:30–15:30 Uhr | Peter Weiss Haus
*
»Nước Đức. Vietnamesisch-Deutsche Migrationsgeschichte(n)«
16 Uhr | Volkstheater Rostock
*
18:30 Uhr (Einlass ab 18 Uhr) | Peter Weiss Haus
u.a. mit den Panelist*innen Nhi Le, Dan Thy Nguyen und Vu Thanh Van. Moderation: Vũ Vân Phạm
*
11:00–14:00 Uhr | Volkstheater Rostock
Die Köchin und Workshopleiterin Thuy Nguyen Thi Bich rührt kräftig in den Töpfen der Erinnerung: es gibt Phở gà & Phở chay!
Nach der ersten Station im Juni in Halle möchten wir mit dem Vernetzungstreffen am 20. September in Rostock weiter Räume für den konkreten Austausch und die gemeinsame Arbeit gestalten und unsere gemeinsame Arbeit fortsetzen. Ziel des Formats ist es, lokale, regionale und bundesweit agierende Institutionen, Organisationen und Akteur*innen innerhalb des erinnerungspolitischen und -kulturellen Felds miteinander zu vernetzen und dabei Synergien zwischen Themen, Ressourcen und Projekten zu schaffen.
1992 schrieben die rassistischen Angriffe in Rostock-Lichtenhagen Geschichte. Doch was bleibt? In Kooperation mit dem Dokumentationszentrum „Lichtenhagen im Gedächtnis“ führt dieser Rundgang zu verschiedenen historischen und symbolischen Orten der Hansestadt, die mit dem Pogrom von Lichtenhagen 1992 in Verbindung stehen. Anhand des Mahnmals „Gestern Heute Morgen“ der Künstlergruppe Schaum setzen wir uns mit den Perspektiven und dem Handeln der historischen Akteur*innen auseinander; Dabei legen wir einen Schwerpunkt auf Perspektiven betroffener Rom*nja aus Rumänien und möchten diskutieren, wie es zum Pogrom kommen konnte und welche Folgen und Auswirkungen das Ereignis bis heute hat. Wir beschäftigen uns mit der gegenwärtigen Erinnerungskultur und kommen darüber ins Gespräch, wie einangemessener gesellschaftlicher Umgang mit dem Ereignis aussehen sollte.
Nach den rassistischen Ausschreitungen 1992 in Lichtenhagen beschlossen die in Rostock lebenden Vietnames*innen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und den Kontakt zu deutschen Einwohner*innen von Rostock zu suchen und zu gestalten. In Oktober 1992 gründeten sie den Verein Diên Hông – Gemeinsam unter einem Dach e.V. Nach über 30 Jahren hat sich der Verein weiterentwickelt und öffnet sich seit 1997 für alle – unabhängig von Herkunft oder Hintergrund. Die vietnamesische Kultur spielt dabei – neben vielen anderen Themen – weiterhin eine besondere Rolle.
In dieser Ausstellung erzählen vietnamesische Rostockerinnen von ihren Wegen nach Deutschland, von Arbeit, Familie und Alltag – damals und heute. Begleitend dazu sprechen wir mit Vertreterinnen von Dien Hong über Erinnern, Rassismus und Community Building. Wie fühlt es sich an, zwischen Ankommen und Dazugehören zu leben?
Das Dynamic Memory Lab ist ein dynamischer Erinnerungsraum. Eine partizipative Ausstellung. Ein Ort gelebter Pluralität. Als Laboratorium, das ganz dem Erinnern gewidmet ist, ist es dynamisch, flexibel, offen, unabgeschlossen. Es lädt ein zum Teilen, Innehalten, Diskutieren, Um- und Weiterdenken. Darüber, was Erinnerung ist, und darüber, was Gesellschaft sein kann.
Das Dynamic Memory Lab Nươc Đưc nimmt die vietnamesisch-deutsche Migrationsgeschichte in den Blick und geht der Frage nach, wie Geschichte erinnert und erzählt – oder auch verdrängt und verschwiegen wird. Im Fokus stehen Erinnerungen und Erfahrungen der vietdeutschen Community, die sich über mehrere Jahrzehnte zwischen Flucht und Vertragsarbeit, zwischen Nord- und Südvietnam und Ost- und Westdeutschland, zwischen Gewaltgeschichte und Selbstermächtigung bewegen und überkreuzen. Nước Đức gibt Erfahrungen Raum, die selten im Zusammenhang oder gegenseitigem Bezug betrachtet werden, obwohl sie eng miteinander verwoben sind. Zusammen bilden diese Erfahrungen ein erinnerungskulturelles Spannungsfeld, das alle politischen und gesellschaftlichen Himmelsrichtungen des Kalten Krieges und der Nachwendezeit umfasst – wie ein Kompass, der ideologische Brüche ebenso sichtbar macht wie biografische Verflechtungen. Die Kurator*innen Dan Thy Nguyen und Nina Reiprich versammeln Beiträge von Künstler*innen und Aktivist*innen der jungen Generation vietdeutscher Einwanderer*innen, die sich multiperspektivisch der vietnamesisch-deutsche Migrationsgeschichte zuwenden.
Die Eröffnung des Dynamic Memory Lab Nươc Đưc ist Teil des dezentralen heimaten Festivals. Das heimaten Netzwerk ist eine Initiative von Haus der Kulturen der Welt im Rahmen von heimaten, gefördert durch Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags.
Eine Mutter schweigt über ihre Flucht übers Meer. Erst als Erwachsener erfährt ihr Sohn von den Monaten in Lagern, von der Angst, vom Hunger. Eine andere Familie erzählt von den ersten Jahren in der DDR, verschweigt jedoch den Rassismus und die Demütigungen nach der Wende. Wieder andere sprechen über alles – bis ihre Kinder irgendwann nicht mehr zuhören.
Was geben Eltern ihren Kindern von ihrer Vergangenheit mit? Und was bleibt ungesagt? Diese Fragen beschäftigen Forschende aus vielen Disziplinen. Denn zwischen den Generationen wird nicht nur Fürsorge weitergetragen, sondern auch Schmerz: Kriegserfahrungen, unausgesprochene Traumata, Schamgefühle, die Furcht vor Ablehnung.
Historiker*innen untersuchen, wie sich Erzählungen im Laufe der Zeit verändern. Psycholog*innen erforschen die Weitergabe von Traumata an Kinder und Enkelkinder. Soziolog*innen analysieren Prozesse von Integration und Ausgrenzung, während Literaturwissenschaftler*innen betrachten, wie Erfahrungen in Geschichten und Kunst Ausdruck finden. Pädagog*innen fragen: Wie lässt sich all das in der Bildung thematisieren?
Doch intergenerationelles Erinnern betrifft nicht nur Einwander*innenfamilien. Auch in Deutschland selbst steht es vielerorts noch am Anfang: beim Weitererzählen und Schweigen über die Shoah, den Zweiten Weltkrieg, die Erfahrungen zweier sich feindlich gegenüberstehender politischer Systeme – DDR und BRD.
Unser Panel in Rostock fragt: Wie gestaltet sich intergenerationelles Erinnern? Was wird geteilt, was verschwiegen – und weshalb?
Wie kochte die Rostocker vietnamesische Community in den Achtzigern? Unser Format widmet sich genau dieser Frage. Die Köchin und Workshopleiterin Thuy Nguyen Thi Bich der KTV Kantine rührt kräftig in den Töpfen der Erinnerung. Aber Vorsicht: Wer nach „Authentizität“ sucht, wird hier überrascht. Gekocht wird vietnamesisch mit den Zutaten, die in der DDR verfügbar waren – eine Küche zwischen Tradition, Improvisation und pragmatischer Anpassung. Und eins ist sicher: Schmecken tut es allemal.
Das Dynamic Memory Lab »Nước Đức« wird am 20. September 2025 im Rahmen des heimaten Festivals eröffnet, begleitet von Workshops, Paneldiskussionen und künstlerischen Interventionen.
Das Dynamic Memory Lab ist ein dynamischer Erinnerungsraum. Eine partizipative Ausstellung. Ein Ort gelebter Pluralität. Als Laboratorium, das ganz dem Erinnern gewidmet ist, ist es dynamisch, flexibel, offen, unabgeschlossen. Es lädt ein zum Teilen, Innehalten, Diskutieren, Um- und Weiterdenken. Darüber, was Erinnerung ist, und darüber, was Gesellschaft sein kann.
Das Dynamic Memory Lab »Nước Đức« nimmt die vietnamesisch-deutsche Migrationsgeschichte in den Blick und geht der Frage nach, wie Geschichte erinnert und erzählt – oder auch verdrängt und verschwiegen wird.
Im Fokus stehen Erinnerungen und Erfahrungen der vietdeutschen Community, die sich über mehrere Jahrzehnte zwischen Flucht und Vertragsarbeit, zwischen Nord- und Südvietnam und Ost- und Westdeutschland, zwischen Gewaltgeschichte und Selbstermächtigung bewegen und überkreuzen. Nước Đức gibt Erfahrungen Raum, die selten im Zusammenhang oder gegenseitigem Bezug betrachtet werden, obwohl sie eng miteinander verwoben sind. Zusammen bilden diese Erfahrungen ein erinnerungskulturelles Spannungsfeld, das alle politischen und gesellschaftlichen Himmelsrichtungen des Kalten Krieges und der Nachwendezeit umfasst – wie ein Kompass, der ideologische Brüche ebenso sichtbar macht wie biografische Verflechtungen.
Die Kurator*innen Nina Reiprich und Dan Thy Nguyen versammeln Beiträge von Künstler*innen und Aktivist*innen der jungen Generation vietdeutscher Einwanderer*innen, die sich multiperspektivisch der vietnamesisch-deutsche Migrationsgeschichte zuwenden. In künstlerischen Auseinandersetzungen, persönlichen Texten und Interviewsequenzen spüren die Beteiligten an Nước Đức den komplexen Erfahrungen der vietdeutschen Communities nach. Sie legen Widersprüche, Brüche und Leerstellen offen. Diese Erfahrungen werden als gegenseitiger Bezugsraum erzählt: Als Erinnerungen einer pluralen Community – und als Erinnerungen einer pluralen Gesellschaft. Es sind keine linearen Erzählungen, sondern ein Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven. Dabei stellt das Dynamic Memory Lab »Nước Đức« zentrale Fragen: Wer wird gehört? Welche Erinnerungen erhalten Raum? Was bleibt im Schatten? Und wie kann eine gemeinsame multiperspektivische Geschichte erzählt werden?
Kurator*innen wie Künstler*innen laden ein und fordern dazu auf, die vietnamesisch-deutsche Migrationsgeschichte in all ihrer Vielschichtigkeit als Teil unserer gemeinsamen deutschen und europäischen Geschichte zu verstehen. Das Dynamic Memory Lab »Nước Đức« eröffnet dabei einen Raum für neue, vielschichtige Formen des gemeinsamen Erinnerns und fordert dazu auf, Grenzen in Erinnerungsdiskursen zu hinterfragen und vor allem Erinnerung als Funktion unserer Gesellschaft zu stärken.
Das Booklet zum Dynamic Memory Lab »Nước Đức«:
>> Download hier
20. September 2025 | 16 Uhr | Am Volkstheater Rostock
»Nước Đức. Vietnamesisch-Deutsche Migrationsgeschichte(n)«
Anmeldung hier.
Die CPPD vergibt Microgrants zur Unterstützung zivilgesellschaftlicher Projekte zu pluralen europäischen Erinnerungskulturen.
Bewerbungen sind für zwei Arten von Förderungen möglich:
Kooperationsgrant
Initiativgrant
Wer kann sich bewerben?
Die Microgrants stehen CPPD-Mitgliedern zur Verfügung, die sich aktiv im CPPD-Netzwerk engagieren. Gefördert werden Projekte, die neue und innovative Ansätze für die europäische Erinnerungskultur verfolgen. Besonders unterstützt werden multilaterale Kooperationen.
Die Auswahl der Projekte erfolgt nach folgenden Kriterien:
Bewerbungen können bis zum 3. August 2025 eingereicht werden.

Am 18. Juni 2025 wurde im Rahmen der 3. Deconfining Konferenz „Towards pluralistic voices – On funding systems and the work on archives in European-African cultural relations“ das Dynamic Memory Lab „Cycles of Decolonisation“ im Garten des Goethe-Instituts in Madrid eröffnet
Eine zentrale gesellschaftspolitische Herausforderung unserer Zeit liegt in der kritischen Auseinandersetzung mit der europäischen Kolonialgeschichte und aktuellen dekolonialen Prozessen. Genau hier setzt die Ausstellung des Dynamic Memory Lab „Cycles of Decolonisation“ an. Das Dynamic Memory Lab ist ein modularer Ausstellungsbau, der sich Themen der europäischen Erinnerungskultur widmet. Nach seiner Eröffnung im Frühjahr in Berlin, ist das Dynamic Memory Lab „Cycles of Decolonisation“ aktuell im Goethe-Institut Madrid zu sehen. Die Eröffnung fand am 18. Juni im Rahmen der 3. Deconfining Konferenz „Towards pluralistic voices – On funding systems and the work on archives in European-African cultural relations“ statt. Die künstlerische Kuratorin des DML, Cátia Severino, und CPPD-Kurator Max Czollek nahmen an Podiumsdiskussionen teil und führten in das Konzept des Dynamic Memory Lab ein.
In ihrer Eröffnungsrede verwies Ko-Kuratorin Cátia Severino den Fokus der Ausstellung auf Dekolonisierung als konkrete, politische Praxis. Erinnern im Kontext von Dekolonisierung, so Severino, bedeute neben Rückblick vor allem aktives Zuhören: auf das, was zum Schweigen gebracht wurde; auf Stimmen, die marginalisiert wurden; auf Geschichten, die verdrängt worden sind; und auf das Aufzeigen von Machtverhältnissen, die bis heute fortwirken. Genau das macht das Dynamic Memory Lab: einen Raum schaffen für Dialog: „This exhibition is not the end of a conversation – it is an opening.“
Dieses zentrale Motiv spiegelt sich auch in der regionalen Erweiterung der Ausstellung in Madrid wider: In Zusammenarbeit mit den spanischen Partnerorganisationen Conciencia Afro und Osikán Vivero de Creación e Imaginación Social wurden die Arbeiten aus künstlerischen Residenzen in die Ausstellung einbezogen. Die Performances eröffneten zeitgenössische Perspektiven auf koloniale Gewalt, rassifizierte Arbeitsverhältnisse, unterdrückte Narrative und Erinnerungspraktiken.
Diese zentralen Themen wurden im Rahmen der Deconfining-Konferenz aufgegriffen und weiterentwickelt, u.a. in der Frage, wie europäische Kulturförderung und Archivpraxis gestaltet sein müssen, um postkoloniale Machtasymmetrien aufzubrechen. In den Paneldiskussionen wurde zudem der Bedarf an langfristigen, transparenten Förderstrukturen deutlich, um lokale Akteur*innen und Initiativen zu stärken und ihre Eigenständigkeit zu sichern. Dabei ist die Etablierung eines Verständnisses von Archiven als lebendige Orte des Austauschs, die Irritation zulassen und sich kontinuierlich weiterentwickeln, essentiell.
In seinen abschließenden Bemerkungen stellte CPPD-Kurator Max Czollek die Arbeit der CPPD als europäisches Netzwerk künstlerischer, zivilgesellschaftlicher und bildungspolitischer Praxis vor. Czollek betonte die Notwendigkeit, Pluralität machtkritisch zu denken.
Das Dynamic Memory Lab „Cycles of Decolonisation“ ist noch bis Ende August 2025 im Garten des Goethe-Institut Madrid für Besucher*innen geöffnet.

12. Juni 2025 | Halle (Saale)
Eine Veranstaltung in Kooperation mit TEKİEZ, Raum für Erinnerung und Solidarität
Die Verankerung gegenwärtiger deutscher Gewaltgeschichte im erinnerungspolitischen Diskurs sowie Solidarität und Stärkung von Gewalt betroffenen Menschen und deren Angehörigen – insbesondere vor dem Hintergrund einer zunehmenden Radikalisierung und Zunahme extremistischer Gewalttaten – ist ein zentrales Anliegen der CPPD. Die CPPD möchte darauf hinwirken, dass Menschen, die Ziele von Gewalt geworden sind sowie deren Angehörigen, Ressourcen von staatlicher Seite zur Verfügung gestellt bekommen und gleichzeitig eine größere Unterstützung der Zivilgesellschaft erfahren. Dies erfordert ein Umdenken der Erinnerungskultur als konkrete Ressource.
Die Veranstaltungen im Rahmen des Festivals „Memory Matters« fanden an einem erinnerungspolitsch äußerst relevanten Ort statt: Dem TEKİEZ, Raum für Erinnerung und Solidarität. Der TEKİEZ wird in Trägerschaft des Friedenskreis Halle betrieben. Am 9. Oktober 2019, Yom Kippur 5780, war er neben der Synagoge auf der Magdeburger Straße und Wiedersdorf Ort eines rassistischen, antisemitischen, rechtsextremen und antifeministischen Anschlags, bei dem zwei Menschen ermordet wurden. Die Besitzer Ismet Tekin und Rifat Tekin sind Überlebende des Anschlags. Ihnen und dem engagierten Wirken von Unterstützer*innen ist es verdanken, dass dieser Ort heute ein Treffpunkt für solidarisches Erinnern ist.
Das Vernetzungstreffen im Rahmen des Festivals „Memory Matters«, widmete sich gemeinsam mit Vertreter*innen von erinnerungspolitischen und -kulturellen Institutionen, Initiativen und Akteur*innen den Fragen, wie eine Plurale Erinnerungskultur gestaltet werden kann, die Menschen, die Ziele von Gewalt wurden, in den Vordergrund stellt, wie Erinnerungskultur Überlebende, Angehörige und betroffene Gemeinschaften stärken kann, und welche institutionellen Strukturen notwendig sind, um die Perspektiven von Initiativen und Akteur*innen nachhaltig zu verankern.
Der Workshop „Kontinuitäten des Widerstands“ unter der Leitung der Künstlerin Talya Feldman untersuchte das subversive Potenzial von Klang und Zuhören als Mittel gegen hegemoniale Strukturen. Anhand diverser auditiver Quellen wurden verdrängte akustische Narrative analysiert und neu kontextualisiert. Die Teilnehmenden entwickelten dabei eigene klangbasierte Widerstandsformen und Strategien des Zuhörens als kritisches Werkzeug für emanzipatorische Praxis.
Im Anschluss diskutierte CPPD-Co-Kurator Max Czollek unter dem Titel »Erinnern im Konflikt« mit Überlebenden, Angehörigen und Hinterbliebenen der rechtsterroristischen Attentate in München 2016, Halle 2019 und Hanau 2020 über ihre komplexen Erfahrungen im Nachgang der jeweiligen Anschläge.
Im Gespräch zeigten Sibel Leyla, Said Etris Hashemi, Anastassia Pletoukhina und İsmet Tekin anschaulich das ganze Spektrum des anhaltenden Versagens staatlicher Strukturen durch einen besorgniserregenden Mangel an Verantwortlichkeit, Ignoranz, institutionellen Rassismus, Widerstände, Verdrängung und fehlender Aufarbeitung auf. Sie beleuchteten die widersprüchliche Rolle der Medien in der Berichterstattung und erörterten sowohl Unterschiede als auch Parallelen in der öffentlichen Wahrnehmung verschiedener Gewalttaten. Kritisch thematisierten sie die komplexen bürokratischen Hindernisse, mit denen Betroffene konfrontiert werden. Zugleich hoben sie positive Entwicklungen hervor: Die breite gesellschaftliche Solidarität und die Entstehung stärkender Gemeinschaften.
Konsens bestand in den gemeinsamen Zielen: Eine selbstbestimmte Erinnerungskultur zu ent- wickeln, umfassende gesellschaftliche Aufarbeitung zu erreichen und sowohl die individuellen Geschichten als auch die strukturellen Ursachen rechter Gewalt im kollektiven Gedächtnis zu verankern. Said Etris Hashemi betonte, dass die Grundlage hierfür in der Rückgewinnung der eigenen Handlungsfähigkeit und im Gestaltungswillen der Betroffenen liege. Konkrete Beispiele für diese Selbstermächtigung seien das Festival der Resilienz, die partizipative Entwicklung von Gedenkorten und die Erarbeitung eigener Bildungskonzepte.
İsmet Tekin brachte es prägnant auf den Punkt: „Solidarität ist die beste Kraft.“ Er richtete einen eindringlichen Appell an die deutsche Zivilgesellschaft: „Wir kämpfen um eine Geschichte, die uns alle betrifft. Wir brauchen euch!“. Anastassia Pletoukhina unterstrich die Bedeutung des Teilens eigener Geschichten als „Kern der Erinnerungsarbeit, der institutionell kaum aufgegriffen wird“, und damit Empathie fördere. „Wir wollen die Bühne nicht überlassen, sondern die Kräfte bündeln, weil diese Einsamkeit, die erzeugt wird, für die Betroffenen unerträglich ist. Wenn wir von Solidarität sprechen, meinen wir sowohl die Solidarität mit der Zivilgesellschaft als auch untereinander.“ Als zentraler Punkt wurde zum Panel-Ende die Forderung formuliert: Neben der kompromisslosen Übernahme von Verantwortung, Kritikfähigkeit und Aufarbeitung durch Politik und Behörden müssen Angehörige gleichberechtigt in alle Prozesse einbezogen werden.
Das Panel machte deutlich: Zivilgesellschaftliche Solidarität bildet das Fundament einer pluralen Erinnerungskultur in Deutschland. Entscheidend für die Erweiterung der Handlungsspielräume von Gedenkinitiativen und erinnerungspolitischen Akteur*innen ist darüber hinaus eine verlässliche finanzielle Förderung – Voraussetzung für eine selbstbestimmte und wirkungsvolle plurale Erinnerungspraxis.
Fotos: © Elena Kasnokutskaya, 2025

Am 12. Juni 2025 findet das Festival »MEMORY MATTERS« mit dem Titel »Erinnern im Konflikt« in Kooperation mit dem TEKİEZ, „Raum für Erinnerung und Solidarität“, in Halle (Saale) statt.
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Das Festival begann mit unserem Vernetzungstreffen. Von 11:00–15:00 Uhr haben wir uns gemeinsam der Frage gewidmet, wie eine Plurale Erinnerungskultur gestaltet werden kann, die Ziele von Gewalt in den Vordergrund stellt. Wir haben Institutionen, Initiativen und Akteur*innen innerhalb des erinnerungspolitischen und -kulturellen Felds miteinander vernetzt und dabei Synergien zwischen Themen, Ressourcen und Projekten geschaffen.
Aus der Überzeugung der CPPD heraus ist es möglich, Erinnerungskultur neu zu begreifen – nicht nur als vielfältige Form gesellschaftlichen Erinnerns. Dabei gehört zu einer Pluralen Erinnerungskultur ein Konzept, Menschen, die Ziele von Gewalt geworden sind, zu stärken und zu begleiten – nicht abstrakt, sondern ganz konkret und an ihren Bedürfnissen orientiert. Wie eine solche Stärkung und Begleitung aussehen kann, und was wir alle dazu beitragen können, darüber möchten wir gemeinsam mit Euch in verschiedenen Arbeitsgruppen reflektieren und Ergebnisse erarbeiten.
Die beiden Themen der gemeinsamen Gruppenarbeit sind:
Erinnern als Ermächtigung
Wie kann Erinnerungskultur Überlebende, Angehörige und betroffene Gemeinschaften stärken, anstatt sie zu retraumatisieren?
Strukturen und Verantwortung
Welche institutionellen Strukturen sind notwendig, um die Perspektiven von Initiativen und Akteur*innen nachhaltig zu verankern?
Kontinuitäten des Widerstands: Die Kraft von Klang und Zuhören
Der Workshop von Talya Feldman erkundet von 16:00–17:30 Uhr die tiefgreifenden politischen Dimensionen von Sound und Zuhören. Anhand von Klangbeispielen urbaner Geräuschkulissen, instrumentalen Stücken, Interviews, Reden und Musikaufnahmen untersucht dieser Workshop, wie Klang und Zuhören als politische Werkzeuge im Kampf gegen Machtstrukturen eingesetzt werden können.
Dabei werden verschiedene Beispiele für Audio und Stimme betrachtet – von Black Lives Matter und Act Up in den USA bis zur Microphone Mafia in Nordrhein-Westfalen. Diese widerständigen Klänge sind häufig aus historischen Diskursen und Archiven ausgeschlossen, obwohl sie wichtige alternative Narrative für unsere Gegenwart aufzeigen.
Die Teilnehmer*innen sind eingeladen, eigene akustische Archive zu entwickeln und Strategien des Zuhörens und Klangarbeitens für die eigene Praxis zu entwerfen.
Talya Feldman ist eine Medien- und Klangkünstlerin, deren interdisziplinäre Arbeit Kulturarbeit, Bildung und politisches Engagement auf einzigartige Weise verbindet. Mehr Informationen zu Talya Feldman finden Sie hier: https://www.talyafeldman.net/
Bei unserer Paneldiskussion „ERINNERN IM KONFLIKT“ werden wir ab 19:00 Uhr mit Überlebenden, Angehörigen bzw. Hinterbliebenen der rechtsterroristischen Attentate in München 2016, Halle 2019 und Hanau 2020 sprechen.
Panelist*innen: Anastassia Pletoukhina, Sibel Leyla, Said Etris Hashemi und İsmet Tekin | Moderation: Jo Frank
Das Panel möchte die komplexen Erfahrungen unserer Gäste sichtbar machen und einen Raum eröffnen zum Zuhören, Weiterdenken, Gestalten.
Alle drei Veranstaltungen fanden am 12. Juni 2025 im TEKİEZ, „Raum für Erinnerung und Solidarität“, Ludwig-Wucherer-Straße 12, 06108 Halle (Saale) statt.
Eine dringende gesellschaftspolitische Aufgabe liegt in der kritischen Auseinandersetzung mit dem Vermächtnis des europäischen Kolonialismus. Dafür bedarf es gesellschaftswirksamer Strategien, die langfristig auf Dekolonisierung zielen. Künstlerische wie partizipative Ansätze und Maßnahmen können diese Prozesse mitgestalten und eine widerstandsfähige Erinnerungskultur fördern.
Die Coalition for Pluralistic Public Discourse (CPPD) erarbeitet seit 2021 als kollaboratives Netzwerk von über 200 Partner*innen künstlerische, zivilgesellschaftliche und bildungspolitische Konzepte für ein pluralistisches gesellschaftliches Erinnern. Der Europäische Kongress der CPPD vom 14.-15. März 2025 beschäftigte sich mit Widerstand und Erinnerung in verschiedenen Veranstaltungsformaten.
Am 15. März 2025 wurde das Dynamic Memory Lab »Cycles of Decolonisation« von den Kurator*innen Cátia Severino und André Soares eröffnet. In der interaktiven Ausstellung werden die Besucher*innen mit dem Erbe des europäischen Kolonialismus sowie seinen zeitgenössischen Erscheinungsformen konfrontiert. Am Beispiel von Lieferdienstfahrer*innen wird zudem gezeigt, wie zeitgenössische Wirtschaftssysteme koloniale Dynamiken reproduzieren. Künstlerische Positionen von Clara Laila Abid Alsstar, Muhammet Ali Baş, Ibou Diop, Eşim Karakuyu, Cássio Markowski, Dan Thy Nguyen, Jonas Weber-Herrera und weiteren Künstler*innen aus dem CPPD-Netzwerk beleuchten zentrale Merkmale von Kolonialisierung wie Rassifizierung, Silencing und Auslöschung, Entmenschlichung und Gewalt, Verwehrte Erinnerung sowie Vertreibung. In ihrer Eingangsrede kontextualisierten die Kurator*innen die Ausstellungsinhalte. Dr. Ibou Diop stellte Schnittstellen mit der Arbeit zivilgesellschaftlicher Akteur*innen her.
Während des Netzwerkpartner*innentreffens im Rahmen des Europäischen Kongresses kamen verschiedene erinnerungsrelevante Akteur*innen aus Deutschland und Europa zusammen. Ein umfangreiches Ressourcenmapping zeigte den Bedarf nach fachspezifischer Vernetzung auf und initiierte Synergien zwischen den Teilnehmenden. Zusätzlich diskutierten die Akteur*innen über Herausforderungen und Möglichkeiten zur Etablierung einer widerständigen Erinnerungskultur.
Die Veranstaltung „…und nun zur Zeitenwende. Der langgezogene europäische Backlash, gesellschaftliche Einwilligung und Widerstand“ im Studio Я des Maxim Gorki Theaters nahm das Thema des Europäischen Kongresses auf: Noa K. Ha sprach über die ethische Dimension von Erinnerungskultur und die Notwendigkeit, Erinnerungskultur und Widerstand grundlegend in Relation zu setzen. Gilda Sahebi verwies darauf, die Mehrheitsgesellschaft bei der Beschäftigung mit Erinnerungskultur nicht aus dem Blick zu verlieren. Cátia Severino ging zudem auf die Bedeutung von Erinnerungskultur als Erinnerungsarbeit ein, die mit Erstarken des rechten Backlashs in Europa nicht aufhöre oder gescheitert sei, sondern weiter ausgebaut werden müsse.
Johanna Korneli stellte in ihrer Eröffnung fest, dass die Dimensionen demokratischer Stärkung unserer europäischen Gesellschaft nur zusammen mit einer Neuausrichtung einer europäischen Erinnerungskultur zusammenzudenken ist. Jo Frank verwies auf Kooperation als zentrales Merkmal einer widerständigen pluralen Erinnerungskultur. Gerade in Anbetracht des Rechtsrucks in Europa sei die europäische Zivilgesellschaft in der Pflicht, Regierungshandeln kritisch zu begleiten und die Bedeutung pluraler Erinnerungskultur für eine offene Gesellschaft zu stärken.
Künstlerische Beiträge von Ricardo Domeneck und Zselyke Z. Tárnai bildeten einen inhaltlichen Rahmen für die Veranstaltung: In ihren Arbeiten fokussierten sie die Auswirkungen von historisch verpassten Chancen auf eine nachhaltige Festigung gesellschaftlicher Pluralität. Gerade die individuellen Dimensionen nahmen sie in dabei in den Blick. Die Veranstaltung wurde von Max Czollek moderiert. Dieser verband die Konzepte widerständiger pluraler Erinnerungskultur mit der Frage, wie Community-übergreifend gerade jetzt zusammengearbeitet werden kann, wenn globale Herausforderungen wie innereuropäische Dynamiken gerade marginalisierte Communities weiter in den Hintergrund drängen. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Maxim Gorki Theater statt.
Der Europäische Kongress der CPPD lud ein Fachpublikum sowie die breite Öffentlichkeit ein, kritisch über eigene und kollektive Formen des Erinnerns zu reflektieren. Über partizipative Elemente wurde eine widerständige Erinnerungskultur als demokratische Erinnerungskultur gelebt. Diese Ressourcen zur Förderung von Dialog und künstlerischen Formaten werden auch in Zukunft benötigt, um eine wehrhafte Gesellschaft zu etablieren, die sich gegen eine Romantisierung imperialistischer und kolonialer Vergangenheiten und gegen sämtliche Formen der Menschenfeindlichkeit positioniert.

Der Plurale Gedenkkalender ist nun auch im Posterformat erhältlich. Die versammelten Einträge offizieller Gedenktage und pluraler Erinnerungsereignisse werden gemeinsam mit Netzwerkmitgliedern, Partner*innen und weiteren Personen fortlaufend zusammengetragen und ergänzt.
Die Listung von nationalen sowie weltweiten Daten des Gedenkens und Erinnerns bringt weitreichende Herausforderungen mit sich, die sich auch auf das Versprachlichen und „Labeln“ der Ereignisse beziehen. In der Projektarbeit der CPPD hat sich schon früh herausgestellt: Jedes einzelne Erinnerungsereignis trägt seine eigene Geschichte. So individuell wie diese Geschichten sind, reichen sie über die Grenzen der Sprache und die Versuche, sie in Worte zu fassen, hinaus. Komplexe Erinnerungsereignisse in einem Kurztitel abzubilden birgt die Gefahr, wichtige Informationen unberücksichtigt zu lassen. Gleichzeitig sind Formen der Versprachlichung immer auch Dynamiken von Ein- und Ausschlüssen inhärent. Die Listung möchten wir deshalb wie Erinnerung selbst begreifen: als unabgeschlossen, unvollständig und in dauernden Prozessen der Veränderung.
In 2025 werden wir den Gedenkkalender fortführen und vermehrt widerständige Erinnerungsmomente darin aufnehmen. Wir möchten Sie zudem dazu einladen, mitzuwirken und uns weitere Gedenktage und Erinnerungsmomente zuzusenden, denn: Eine resiliente Demokratie kommt ohne eine Plurale Erinnerungskultur, die wir gemeinsam gestalten, nicht aus.
Der Plurale Gedenkkalender ist als Online-Poster hier zum Download verfügbar.

Eine Veranstaltung im Rahmen des Europäischen Kongress 2025
Am 14. März 2025 widmet sich die Coalition for Pluralistic Public Discourse im Studio Я der europäischen Zeitenwende und diskutiert Wege des Widerstands.
Die Zustimmung Europas zum rasanten Backlash: Das ist die Zeitenwende.
Antisemitismus, Rassismus, Frauen- und Queerfeindlichkeit, Demokratieverachtung sind nicht normalisiert – sie sind Volkes Wille. Diese Zeitenwende erfordert eine neue Erinnerungskultur des Widerstands. Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Solidarität sind keine Ziele eines fragilen gesellschaftlichen Konsens‘ – sie sind die Eckpfeiler einer neuen Erinnerungskultur des Widerstehens durch die plurale Demokratie.
Eine Kooperation der Coalition for Pluralistic Public Discourse (CPPD) mit dem Maxim Gorki Theater.
Weitere Information zur Veranstaltung finden Sie hier

Das Dynamic Memory Lab »Cycles of Decolonization« lädt seine Besucher*innen dazu ein, sich mit einem zentralen Thema unserer Erinnerungskultur auseinanderzusetzen: Der europäischen Kolonialgeschichte und der Dekolonialisierung.
In einer immersiven wie interaktiven Ausstellung werden die Besucher*innen mit dem Erbe des europäischen Kolonialismus sowie seinen zeitgenössischen Erscheinungsformen konfrontiert. Einen besonderen Fokus legt die Ausstellung auf die in der Gegenwart wirksamen Strukturen der Entmenschlichung. Die Ausstellung möchte die mit der Entmenschlichung verbundenen Unsichtbarkeit aufheben und das Menschliche in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit rücken.
»Cycles of Decolonisation« wurde unter der Kuration von Cátia Severino und André Soares entwickelt, mit Beiträgen europäischer Künstler*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen der CPPD. Die Kurator*innen lenken unseren Blick auf Kontinuitäten des europäischen Kolonialismus. Sie zeigen uns am exemplarischen Beispiel von Lieferdienstfahrer*innen, in welchen zeitgenössischen Erscheinungsformen das Erbe des europäischen Kolonialismus in der Gegenwart besteht.
»Cycles of Decolonisation« lässt seine Besucher*innen von Lieferdienstfahrer*innen selbst hören, wie ihr Alltag bestimmt wird, welche Lasten auf ihnen liegen und welche Hoffnungen sie haben. Die Ausstellung eröffnet durch den Blick auf ein Beispiel anhaltender Ausbeutungsdynamiken einen Raum, in dem sich Besucher*innen mit dem eigenen sozialen Status sowie schmerzhaften Erinnerungen auseinanderzusetzen können. Sie lässt dabei erkennen, dass Kolonisierung nicht als bloßes historisches Ereignis, sondern als fortbestehende Struktur von Ungleichheiten und Hierarchien innerhalb europäischer Gesellschaften wirkt.
»Cycles of Decolonisation« veranschaulicht, wie zeitgenössische Wirtschaftssysteme koloniale Dynamiken wiederholen können, auch ohne die direkte Gewalt und territoriale Besetzung, die mit der historischen Kolonisierung verbunden sind.
Mit Beiträgen von Clara Laila Abid Alsstar, Muhammet Ali Baş, Dekoloniale. Erinnerungskultur in der Stadt, Ibou Diop, Jonas Weber-Herrera, Eşim Karakuyu, Cássio Markowski, Dan Thy Nguyen, the next now, Silentfilm, film.bau.berlin und weiteren Künstler*innen aus dem CPPD-Netzwerk.
Das Projekt “Februarsturm” widmet sich dem Gedenken an die Opfer des rassistischen Terroranschlags von Hanau am 19. Februar 2020. Basierend auf dem gleichnamigen Gedicht “februarsturm” von Ozan Zakariya Keskinkılıç bringt der lyrische Kurzfilm performative, lyrische, musikalische und filmische Künste zusammen. „Februarsturm“ verarbeitet künstlerisch das Gedenken an Hanau und stärkt Auseinandersetzungen rund um Solidarität, Widerstand und Erinnerung.
Konzept und Produktion von „Februarsturm“ wurden gemeinsam von Ozan Zakariya Keskinkılıç, Camil Bahtijar und Tayfun Guttstadt realisiert und durch die CPPD gefördert.

Europäischer Kongress 2025
Nach der Bundestagswahl und in Anbetracht der Entwicklungen der letzten Monate in Deutschland und Europa stehen wir vor neuen Fragestellungen – im Zentrum steht für uns diese: Was braucht es für eine widerständige, plurale Erinnerungskultur? Das ist die Frage für unsere gemeinsame Arbeit. Hierfür wird die Netzwerkarbeit der CPPD entscheidende Impulse liefern. Gerade jetzt ist das Wissen und Erleben, dass es in Deutschland und Europa viele Akteure gibt, die an dem Pluralen Wir unserer Gesellschaft gemeinsam arbeiten, entscheidend. Daher gilt dem Austausch und dem gemeinsamen Reflektieren, Planen und Arbeiten besondere Aufmerksamkeit im Rahmen des Netzwerktreffens.
Wir möchten unsere Netzwerkpartner*innen ganz herzlich zum Barcamp im Rahmen des Europäischen Kongresses der CPPD einladen:
Samstag, 15. März 2025
11:00 – 15:00 Uhr
Villa Elisabeth, Berlin
Neben unserem etablierten Austausch werden wir gemeinsam ein Ressourcenmapping erstellen, mit dem Ziel verschiedene Ressourcen zu teilen, unsere Wirkung zu verstärken, Synergien zu nutzen und ggf. Kosten zu sparen.
Mehr zum Netzwerkpartner*innentreffen erfahren Sie hier.

Wir alle sind in diesem Jahr mit Herausforderungen konfrontiert, die allesamt Erinnerungskultur direkt betreffen. Die Wahlerfolge und das Erstarken rechtsextremer und faschistischer Kräfte in Europa, der andauernde Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, der terroristische Angriff der Hamas auf Israel sowie der andauernde und sich ausweitende Krieg in Gaza, im Libanon, mit dem Iran, die sich verschiebenden globalen Dynamiken hin zu Autokratie und Menschenfeindlichkeit, die zuletzt durch die Wiederwahl eines verurteilten Kriminellen zum Präsidenten der USA sichtbar wird.
Unter der Last dieser und so vieler weiterer Ereignisse erleben wir tagtäglich, wie zivilgesellschaftliche Bündnisse und Allianzen zerbrechen – durch fehlende Solidarität, aktive Entsolidarisierung und fehlende Empathie. Marginalisierte Gruppen werden gegeneinander ausgespielt – und spielen sich gegenseitig aus. Zu einem entscheidenden Zeitpunkt werden die gemeinsamen Visionen für unsere plurale Gesellschaft und ein solidarisches Europa empfindlich geschwächt – und die Homogenitätsfantasien rechtsextremer Kräfte und ihre Vorstellung vom Kampf als zentraler Idee der Politik werden gestärkt.
Die Coalition for Pluralistic Public Discourse (CPPD) und ihre Partner*innen sind hier eine Ausnahme. In einer Zeit, in der wir dafür kämpfen, dass Räume erhalten bleiben, baut die CPPD ihre Räume noch weiter aus. Im Angesicht des Zusammenbruchs setzen wir auf Zusammenarbeit. An den kollaborativen, an den pluralen, an den dialogbasierten Ansätzen unserer Arbeit hat sich im vergangenen Jahr vor allem eines geändert: Wir haben unser Engagement verstärkt, gerade weil an so vielen Stellen in der Zivilgesellschaft, im Diskurs, so tief klaffende Lücken sichtbar wurden oder sich neu und tiefer aufgetan haben. Denn darin besteht unsere Arbeit: Unser Bestes darauf zu richten, dass die antidemokratischen und völkischen Kräfte nicht das tun, was sie sich wünschen und was sie offen versprechen: die Abschaffung der pluralen Demokratie.
So plural unsere Gesellschaften sind, so plural sind die Erinnerungsmomente, so plural muss auch Erinnerungskultur gestaltet werden. Erst dann, wenn wir uns die Vergangenheit als komplexes Netz an Erinnerungsmomenten denken, werden wir ihr gerecht. Und damit auch der Gegenwart, die ja heute mehr als zu Beginn unserer Arbeit bedroht ist von einer Rückkehr der Traditionen der Gewalt. Pluralität bedeutet, auch für die deutsche und europäische Erinnerungskultur, sich immer wieder dieser Gleichzeitigkeit und teils auch Ambivalenz bewusst zu werden und sich ihnen zu stellen. Gerade dann, wenn wir verstehen, wie sehr wir mit der Vergangenheit immer auch die Gegenwart erinnern – ihre Konflikte, Kämpfe und gesellschaftlichen Aushandlungsprozesse.
Für diese Gleichzeitigkeit steht auch der Plurale Gedenkkalender #Erinnerungsfutur. Er versammelt Beiträge von Mitgliedern aus dem CPPD-Netzwerk und Gastautor*innen, die in journalistischen Texten, wissenschaftlichen Abhandlungen, Interviews und kreativen Formaten verschiedenste Gedenktage reflektieren und den erinnerungskulturellen Kanon erweitern. Dass der Kalender nun in dritter und erweiterter Ausgabe erscheint, zeigt die Weite erinnerungsrelevanter Themen an den Schnittstellen von Antisemitismus, Ableismus, Rassismus, Queer- und Menschenfeindlichkeit sowie Widerstandsgeschichte und offiziellen Gedenktagen.
Der Plurale Gedenkkalender zeigt eines ganz deutlich: Erinnerungskultur muss sich nach den Menschen in Europa richten, nicht nach einer Vorstellung davon, wie diese Menschen zu sein haben. Pluralität ist nicht das zentrale Problem der Gesellschaft, sondern ihre Grundlage. Es ist unsere feste Überzeugung, dass das auch für die Erinnerungskultur gelten muss: Dass wir die Erinnerung gemeinsam erzählen und nicht allein, weil wir gemeinsam das gestaltet haben– und von dem gestaltet wurden – was wir heute Gegenwart nennen.
Die CPPD ist, wie dieser Gedenkkalender auch, ein Versuchsfeld. Und die Ergebnisse, die wir erzielen, die Einsichten, die wir gewinnen, sind wie das Erinnern selbst: Unabgeschlossen, unvollständig, in dauernden Prozessen der Veränderung. Daher gilt auch für die inzwischen dritte Auflage von »Erinnerungsfutur«: Wir bitten alle Lesenden, uns weitere Gedenktage und Erinnerungsmomente zu nennen, um den Kalender zu ergänzen und gemeinsam fortzuschreiben, denn: Eine resiliente Demokratie kommt ohne eine Plurale Erinnerungskultur nicht aus.
Wir versenden ab Mitte Januar leider keine Gedenkkalender mehr, und bitten Sie und euch, von Bestellungen abzusehen. Wir bedanken uns bei allen für ihr Interesse!

2024 stand für die CPPD unter dem leitenden Thema „Memory Matters“: Zivilgesellschaftliche, bildungspolitische und künstlerische Veranstaltungen in St. Pölten, Nürnberg, Neumünster, Dresden, Dortmund, Madrid und Berlin zeigten vielfältige Perspektiven zu Pluralem Erinnern auf und wurden von einem hohen Publikumsaufkommen begleitet. Das Ausstellungsprojekt „Dynamic Memory Lab“ zum Thema „Codes of Memory der Roma*- und Sinti*-Communities“ wurde an den verschiedenen Veranstaltungsorten durch regionale Perspektiven ergänzt.
Umfassende Berichte und Bilder zu unseren diesjährigen Veranstaltungen finden Sie in unserer Publikation „Berichte 2024 – Die Festivalreihe »Memory Matters«, die Ihnen hier als download zur Verfügung steht.

Die CPPD und ihre Netzwerkmitglieder fordern eine Stärkung und nachhaltige Sicherung ihrer Arbeit für eine demokratische Plurale Erinnerungskultur.
Pluralität bleibt das Strukturprinzip unserer Gesellschaften – trotz eines Erstarkens der rechtsextremen und faschistischen AfD in Deutschland, trotz der Wahlerfolge rechter und rechtsextremer Kräfte in Europa, trotz andauernder Kriege und Gewaltkonflikte in der Ukraine, in Israel, Gaza und im Libanon. Mit ihren Aktivitäten und Veranstaltungsformaten schafft die CPPD einzigartige Räume des Pluralen, die Dialog zulassen und zu konkretem Handeln führen.
Um der Pluralität unserer Gesellschaften gerecht zu werden, bedarf es Ressourcen und Räume, die einerseits den themenspezifischen Austausch ermöglichen sowie Räume, die die Komplexitäten und Widersprüchlichkeiten von Perspektiven öffentlich sichtbar machen. Diese Räume sind herausfordernd und entstehen erst durch die Zuwendung zum Pluralen: Sie können dazu beitragen, die enge Verschränkung zwischen gegenwärtigem Handeln und der Zukunft unserer Gesellschaften in Kontext zu setzen, Polarisierungen zu verringern und Demokratie zu fördern.
Als einmaliges kollaboratives Netzwerk mit über 200 Partner*innen realisiert die CPPD künstlerische, zivilgesellschaftliche und bildungspolitische Konzepte für ein pluralistisches gesellschaftliches Erinnern. Hierzu gehören auch die Aktivitäten der Festivalreihe »Memory Matters«, die an sechs Standorten in Deutschland und Europa stattfand und am 18. und 19. Oktober 2024 in Berlin ihren Abschluss fand.
Bei der öffentlichen Veranstaltung „Wie weiter? – Gegenwart erinnern. Der 24. Februar, der 7. Oktober und der 9. Juni“ in Kooperation mit der Akademie der Künste kamen neben CPPD-Netzwerkmitgliedern mehr als 150 Interessierte aus der Zivilgesellschaft sowie ein erinnerungspolitisches Fachpublikum zusammen. Drei Panels zeigten die Singularitäten sowie die Gleichzeitigkeiten und Verschränkungen von Kriegen, rechter Gewalt und der Bedeutung von Pluralen Erinnerungskulturen auf.
Die Journalistin Olesya Yaremchuk, die Geschäftsführerin von OFEK e.V. Marina Chernivsky und der Aktivist und Geschäftsführer von Austausch e.V. Igor Mitchnik thematisierten die verheerenden Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine mit einem menschenzentrierten Fokus: Welche Auswirkungen hat der Krieg für Betroffene und Angehörige? Wie beeinflusst er Demokratien in Europa? Wie geht es – auch erinnerungspolitisch – weiter?
Die Journalistin und Ressortleiterin bei der taz Dinah Riese diskutierte mit Hanna Veiler, Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, und Ahmad Dakhnous, Aktivist und politischer Referent, über den Krieg in Israel und Gaza, seine Bedeutung für Deutschland und Europa und welche Rolle eine Plurale Erinnerungskultur darin spielen kann. Das kontroverse und emotional geladene Panel schuf Raum für plurale Perspektiven und zeigte eindrücklich, wie ein respektvoller Umgang mit unterschiedlichen Positionen gelingen kann.
Peggy Piesche, Leiterin des Fachbereichs „Politische Bildung und plurale Demokratie“ bei der Bundeszentrale für Politische Bildung, und Kristina Lunz, Mit-Begründerin des Center for Feminist Foreign Policy, sprachen über die diesjährigen Europawahlen und die Konsequenzen von Polarisierungen für Deutschland und Europa. Sie konkretisierten Handlungsoptionen sowie die Rolle von Empathie, kollektiver Erinnerung und Zusammenarbeit für die Gestaltung unserer Demokratien. Diplomatin Anja Fahlenkamp betonte zum Abschluss, Intersektionalität als Schlüsselkonzept zu begreifen, um gegenwärtige Herausforderungen zu verstehen.
Im Rahmen des Abschlussfestivals „Memory Matters“ kamen über zwei Tage erinnerungs- und bildungspolitische Akteur*innen aus verschiedenen Institutionen, Organisationen und Initiativen sowie Mitglieder aus dem CPPD-Netzwerk zum Netzwerkpartner*innentreffen der CPPD zusammen. In zwei Arbeitsrunden gingen die Teilnehmenden erinnerungsspezifischen Themen nach und erarbeiteten Grundlagen für die Entwicklung innovativer erinnerungspolitischer Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt, Inklusion und historischer Genauigkeit. Begleitet wurde das Netzwerkpartner*innentreffen, das einen einmaligen Raum für den Austausch zivilgesellschaftlicher Organisationen bot, durch die Expertise von Vatan Ukaj und Alexandra Perlowa aus dem Kollektiv „Wertansich(t)“.
Trotz der virulenten Krisen kommt unseren Gesellschaften ein inhärentes Gestaltungspotenzial zu – das zeigte das Abschlussfestival „Memory Matters“ der CPPD. Dafür müssen Räume geschaffen, gestärkt und nachhaltig gesichert werden, in denen ein pluraler Diskurs zu Erinnerungskultur möglich ist.
Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden und den zivilgesellschaftlichen Akteur*innen und freuen uns auf eine Fortsetzung unserer Arbeit 2025.
Fotos: Natalia Reich
2024 realisierte die CPPD die dezentrale Festivalreihe »Memory Matters« in St. Pölten, Nürnberg, Neumünster, Dortmund, Dresden, Madrid und Berlin. In diesem Rahmen wurden Veranstaltungen organisiert, die Workshops, künstlerische Positionen und abschließende Diskussionen umfassten und sich den vielfältigen Themen einer pluralistischen Erinnerungskultur widmeten. Die hier einsehbare Videodokumentation zeigt Impressionen aus der Arbeit der CPPD, der dezentralen Festivalreihe und der europäischen Kongresse.
Unser herzlicher Dank geht an Ibrahim Arslan, Muhammet Ali Bas, Max Czollek, Aladin El-Mafaalani, Noa K. Ha, Kelly Laubinger, Nina Prader, Martin Reichardt und Hannan Salamat für ihre Beiträge. Ein besonderer Dank gilt Andreas Daniel Jakob für die Videoproduktion.

30. September & 1. Oktober 2024
Die Aushandlung einer gemeinsamen Europäischen Erinnerungskultur eröffnet neue Perspektiven in nationalen erinnerungspolitischen Diskursen. Das ist eine zentrale Erkenntnis der Kulturbegegnung »Memorias | Erinnerungen« in Madrid. In Anbetracht der demokratischen Krise in Europa liegt ein Schlüssel für die Stärkung Europas in der Frage, wer wir als Europäer*innen sind und sein möchten. Eine gemeinsame Pluralisierung der Erinnerungskultur kann Zusammenhalt und Demokratie entscheidend befördern.
Seit 2021 arbeitet die Coalition for Pluralistic Public Discourse (CPPD) als kollaboratives Netzwerk mit über 200 Partner*innen an künstlerischen, zivilgesellschaftlichen und bildungspolitischen Konzepten für ein pluralistisches gesellschaftliches Erinnern in Deutschland und Europa. Zentraler Bestandteil dieser Arbeit ist die Festivalreihe »Memory Matters«, die 2024 an vier deutschen und zwei europäischen Städten stattfindet, darunter auch der Europäische Kongress in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Madrid und dem Instituto Cervantes.
Der Soziologe Emilio Silva Barrera, Gründer der Vereinigung zur Wiedererlangung des Historischen Gedächtnisses (ARMH), sowie Dr. Max Czollek, Autor und Kurator der CPPD, tauschten sich über die Förderung politischer Aktionen aus, die vielfältige Perspektiven in den offiziellen Erinnerungsdiskurs einbinden. Czollek verwies auf die deutsche Erinnerungspolitik, die eine eindimensionale Erzählung der Wiedergutmachung inszeniert, während Silva hervorhob, dass in Spanien das Bedürfnis nach Aufarbeitung sowohl der Franco-Diktatur als auch des Bürgerkrieges wächst. Beide appellierten an die zivilgesellschaftliche Stärke, die Widerstand gegen politische Realitäten und Gewalt leisten kann.
Loreto Urraca, die spanische Vertreterin des Kollektivs „Ungehorsame Geschichten, Angehörige von Völkermördern für Erinnerung, Wahrheit und Gerechtigkeit“, veranschaulicht, wie Menschen jenseits des akademischen Diskurses erinnerungspolitisch aktiviert werden können, indem sie ihre persönliche Familiengeschichte in den Mittelpunkt ihres Aktivismus stellt. Noa K. Ha lenkt die Aufmerksamkeit des zahlreich erschienenen Publikums auf die postkoloniale Wahrnehmung des öffentlichen Stadtraums.
Mit Tunay Önder, Julia Cortegana de la Fuente, Victorino Mayoral Cortés und Jo Frank stellten vier Vertreter*innen von Bildungs- und Kulturinitiativen unterschiedliche Projekte zur Vermittlung pluraler Erinnerungskultur vor. Ob Dokumentartheater, politische Bildungsprojekte, öffentliche digitale Erinnerungsarchive oder solidarische Netzwerke zur pluralen Erinnerungskultur – alle plädierten für den Ausbau der europäischen Vernetzung. Die Notwendigkeit zur europäischen Zusammenhalt wurde noch einmal durch globale Konflikte unterstrichen: So hat auch der Krieg im Nahen Osten, der enorme erinnerungspolitische Implikationen hat, die Diskussionen vor Ort beeinflusst.

Ein Highlight des Festivals war die Eröffnung des Dynamic Memory Lab im Garten des Goethe-Instituts. CPPD-Vorstand Hannan Salamat, Kelly Laubinger, Gründerin der Sinti Union Schleswig-Holstein, sowie der regionale Kurator und erste Abgeordnete der Gitanos-Community in der Madrider Regionalregierung, Gitano-Aktivist Samuel Escudero, setzten sich für eine stärkere Sichtbarmachung marginalisierter Communities wie der spanischen Sinti* und Roma* im öffentlichen Raum in Europa ein, indem sie die Vermittlung und Anerkennung individueller Geschichten und historischer Ereignisse betonten.
Für die Gestaltung einer pluralen europäischen Zukunft sind Formate des internationalen Dialogs von entscheidender Bedeutung. Sie ermöglichen es, voneinander zu lernen, gemeinsame Herausforderungen zu erkennen und neue Impulse für die europäische Erinnerungskultur zu setzen. Die diversen Veranstaltungen in Madrid waren Teil der Festivalreihe »Memory Matters« der CPPD, die 2024 in vier deutschen und zwei europäischen Städten mit Veranstaltungen, Workshops, künstlerischen Positionen und Diskussionen realisiert wurde.
Am 19. Oktober findet das Abschlussfestival 2024 unter dem Titel „Wie weiter? Gegenwart Erinnern: Der 24. Februar, der 7. Oktober & der 9. Juni“ in der Akademie der Künste Berlin statt.

Plurale Räume können einen offenen, kritischen und respektvollen Umgang mit den schmerzlichsten Ereignissen ermöglichen und gemeinsames, solidarisches Erinnern stärken. Das ist eine wichtige Einsicht nach der Veranstaltung der Coalition for Pluralistic Public Discourse und RomaTrial e.V. anlässlich des ersten Jahrestages des terroristischen Angriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober und dem andauernden Krieg im Nahen Osten.
Um einen konstruktiven und pluralen Umgang mit dem 7. Oktober und dem andauernden Krieg zu ermöglichen, bedarf es
Im Rahmen der Veranstaltung wurde Trauer als fundamentale menschliche Emotion in vier Panels und in ihrer Vielschichtigkeit und Multidimensionalität betrachtet, die ihr einzigartiges Spannungsverhältnis ausmacht: als kulturelles Phänomen, das kollektives Erinnern, Gedächtnis und Identitäten prägt, und in ihrer individuellen, persönlichen Dimension.
In den von Hannan Salamat und Zsófia Bihari moderierten Gesprächen mit Shai Hoffmann und Ahmad Dakhnous, Furkan Yüksel und Samuel Stern, Atalya Laufer und Ariel Reichman sowie Hadja Harouna-Oelker und Max Czollek wurden kulturelle, psychologische und soziale Aspekte von Trauer und deren Auswirkungen auf Gesellschaft und Individuum reflektiert: Kann Trauer als fundamentale menschliche Emotion angesichts von Krieg und Konflikt eine vereinende Wirkung haben? Ist das Recht auf Trauer für alle gleich? Wie begegnen wir den Ungleichheiten in der Wahrnehmung und Sichtbarkeit von Trauer? Welche konkrete Verantwortung liegt bei den vielen nicht unmittelbar Betroffenen in den Diskursen um Trauer und Krieg?
Die Veranstaltung im Grünen Salon der Volksbühne war schon frühzeitig ausverkauft. Sie ermöglichte Gespräche dort, wo Dialoge unmöglich erscheinen. Mit der Veranstaltung gelang es der CPPD, einen empathischen und offenen Raum der konstruktiven Auseinandersetzung und des kritischen Austauschs zu schaffen, der sich den komplexen Themen um Trauer und den 7. Oktober 2023 widmete. So konnte eine Form der Erinnerung gestärkt werden, die gleichzeitig eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den aktuellen Gewaltgeschehnissen bedeutet und Perspektiven für ein solidarisches und plurales Erinnern aufzeigt.
Die nächsten öffentlichen Veranstaltungen der CPPD finden im Oktober 2024 im Rahmen des Abschlussfestivals Memory Matters der CPPD in Berlin statt: Beim Netzwerkpartner*innentreffen am 18. Oktober kommen Institutionen, Organisationen und Akteur*innen mit vielfältigen Arbeitsschwerpunkten innerhalb des erinnerungspolitischen und -kulturellen Felds zusammen, um Synergien zwischen Themen, Ressourcen und Projekten zu schaffen.
Am 19. Oktober findet die Abschlussveranstaltung der CPPD in der Akademie der Künste unter dem Titel „Wie weiter? Gegenwart Erinnern. Der 24. Februar, der 7. Oktober & der 9. Juni“ statt.
Fotos: Natalia Reich
Fotocredit: Natalia Reich
Eine zentrale Herausforderung der Gegenwart liegt in der Etablierung erfolgreicher Praktiken des Widerstands und der Immunisierung gegenüber rechtspopulistischen und rechtsextremen Bewegungen. In diesem Prozess kann eine Plurale Erinnerungskultur bedeutend mitwirken.
In Zeiten eines europaweiten Rechtsrucks und mit Blick auf die Wahlergebnisse der jüngsten Landtagswahlen in Thüringen, Brandenburg und Sachsen bedarf es Räume des Austauschs sowie partizipationsfördernde Angebote, um eine demokratische und differenzierte Erinnerungskultur zu etablieren.
Die Coalition for Pluralistic Public Discourse (CPPD) erarbeitet seit 2021 als kollaboratives Netzwerk von über 200 Partner*innen künstlerische, zivilgesellschaftliche und bildungspolitische Konzepte für ein pluralistisches gesellschaftliches Erinnern. Hierzu gehört die Festivalreihe »Memory Matters«.
Vor dem Hintergrund eines Erstarkens demokratiefeindlicher Bewegungen deutschlandweit, jedoch auch in Dresden und Sachsen in den letzten zehn Jahren durch Pegida und die sogenannten Montagsspaziergänge, zeigte die CPPD am 22. September 2024 mit dem Festival »Memory Matters« gemeinsam mit „Faiths in Tune“, dem Ausländerrat Dresden sowie dem Staatsschauspiel Dresden neue Wege im Erinnern auf.
Der Schwerpunkt der Veranstaltungen bewegte sich an der Schnittstelle von Erinnerungskultur und Widerstand: Welche Widerstände muss Erinnerungskultur aushalten können? Wie können Erinnerungspraktiken in Ostdeutschland auch als Widerstandspraktiken begriffen werden? Welche Rolle kann eine widerständige Erinnerungskultur in Zeiten eines europaweit zu verzeichnenden rechten Backlashs einnehmen?
Die Autorin Anne Rabe belegte im Rahmen des Festivals die fehlende Aufarbeitung der DDR-Geschichte anhand spezifischer Generationen und deren Orientierungslosigkeit in einer Gesellschaft mit neuen Werte- und Handlungsoptionen. Die Historikerin Sarah Grandke wies darauf hin, dass auch die Opfer des SED-Regimes einen würdigen Raum in der Gesellschaft erhalten müssen, der durch ein offenes Sprechen über persönliche Erfahrungen unterstützt werden kann. Nur so könne anhaltendes Schweigen durchbrochen werden. Auch in den von der Journalistin Andrea Hanna Hünniger verlesenen Essays wurden Widerstände gegen die Wiedervereinigung durch Schweigen thematisiert. Multidirektionale Bezüge zum Thema wurden über Kelly Laubinger, Vorsitzende der Bundesvereinigung der Sinti und Roma, und Dan Thy Nguyen, Regisseur, Schauspieler und Essayist hergestellt. Sie betonten stets die Bedeutsamkeit der Förderung einer pluralen Erinnerungskultur auf dem gesamten Bundesgebiet. Moderiert wurde von CPPD-Mitglied Anja Fahlenkamp. Ein partizipativer Stadtspaziergang durch Dresden mit Schwerpunkten auf Diskriminierung und Asyl sowie ein Workshop im Montagscafé des Staatsschauspiels Dresden für Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung ermöglichten zusätzlich die Auseinandersetzung mit Widerständigkeiten in der Erinnerung.
Für eine reflektierte Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Entwicklungen und der Rolle der Erinnerungskultur in diesen Zusammenhängen sind Austauschformate und Partizipationsräume dringend notwendig. Räume des Austauschs werden auch in Zukunft für die Weiterentwicklung unserer hiesigen Erinnerungskulturen benötigt. Die Veranstaltung in Dortmund war Teil der Festivalreihe »Memory Matters« der CPPD, die 2024 in vier deutschen und zwei europäischen Städten mit Veranstaltungen, Workshops, künstlerischen Positionen und Diskussionen realisiert wird.
Am 19. Oktober 2024 findet die Abschlussveranstaltung von »Memory Matters« in Berlin zum Thema „Wie weiter? Gegenwart erinnern: Der 24. Februar, der 7. Oktober und der 9. Juni“ statt.
Fotos: Natalia Reich

Am 2. Mai fand unter dem Thema „Memory Matters. Der 7. Oktober 2023 als Ende der Pluralen Erinnerungskultur?“ das Netzwerktreffen der CPPD statt.
Ausgangspunkt des Netzwerktreffens waren die terroristischen Angriffe der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und der nachfolgende Krieg in Gaza.
Phänomene, die im Diskurs abgebildet sind – u. a. Verunsicherung, Positionierungszwang, Angst, Definitionskämpfe, Entsolidarisierung und Polarisierung – wirken auf den Arbeitsbereich und die Strukturen des Netzwerks. Vor diesem Hintergrund verfolgte das Treffen das Anliegen, das Arbeiten der CPPD zum gegenwärtigen Konflikt zu reflektieren und neue Perspektiven für einen zukünftigen Umgang zu entwerfen.
Während des Treffens kamen Mitglieder aus dem CPPD-Netzwerk in parallel stattfindenden Diskussionsrunden zusammen. Dabei ging es nach einer einführenden Bestandsaufnahme u.a. um Herausforderungen der CPPD im Umgang mit dem 7. Oktober und den Krieg in Gaza. Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Verortung deutscher und europäischer Erinnerungskulturen und ihren vielfältigen Bezügen zum Thema. Zudem wurden Formen der Solidarität diskutiert, die das Ausspielen marginalisierter Gruppen gegeneinander reduzieren. Schließlich reflektierte das Netzwerktreffen im Spezifischen die Arbeit der CPPD: Welche Maßnahmen kann die CPPD aus den gewonnen Einsichten auch zukünftig ergreifen?
Der Austausch zwischen den Mitgliedern zeigte die unterschiedlichen Bezüge der Teilnehmenden zum Thema auf. Allgemein wurde das Netzwerktreffen als Anlass dazu genommen, Neu-Justierungen in der gemeinsamen Arbeit vorzunehmen. Konkrete Maßnahmen und Formen der Selbstverpflichtung wurden benannt.
Es hat sich erneut gezeigt, dass gerade das persönliche, offene Sprechen unter den Mitgliedern der CPPD einen ganz besonderen Wert hat: dass ein Raum geschaffen werden konnte, in dem die Mitglieder aus unterschiedlichsten persönlichen wie auch fachlichen Perspektiven miteinander sprechen können, von einander lernen können, gemeinsame Strategien entwickeln können.
Die CPPD durfte einen Beitrag im GedenkstättenRundbrief der Stiftung Topografie des Terrors über Ansätze und Grundbedingungen Pluralen Erinnerns veröffentlichen. Dabei wird auch die Arbeit der CPPD vorgestellt und in Kontext mit Pluralen Erinnerungformen gesetzt.
Nachzulesen kann man den Beitrag auf der Website des Gedenkstättenforums sowie auf unserer Website unter Publikationen.
Der GedenkstättenRundbrief ist eine Zeitschrift des Gedenkstättenreferats, einer Abteilung der Stiftung Topographie des Terrors. Die Zeitschrift setzt sich gezielt mit Themen aus dem Tätigkeitsfeld der Gedenkstätten für NS-Opfer befasst. Sie erscheint vier Mal pro Jahr als Printausgabe und kann im Abonnement gebührenpflichtig bezogen werden. Es werden Beiträge zur Debatte von aktuellen Themen publiziert, Berichte über neue Gedenkstätten oder besondere Aktivitäten und Projekte in einzelnen Institutionen veröffentlicht. Zudem enthält der Rundbrief einen Serviceteil, im dem sowohl auf ausgewählte Veranstaltungen als auch neu erschienene Literatur hingewiesen wird.

»Memory Matters« bezieht sich sowohl auf die zentrale Bedeutung von Erinnerungskulturen für unsere europäische Gesellschaft als auch auf die einzelnen Referenzpunkte unseres Erinnerns. Konkret bedeutet das Jahresmotto für uns, die Bedeutung von Erinnerungskulturen weiter in der Wissenschaft, im öffentlichen Diskurs und den Künsten in Europa zu stärken. Zudem möchten wir die Referenzpunkte des Erinnerns weiter pluralisieren.
2024 wird die CPPD eine dezentrale Festival-Reihe in verschiedenen deutschen Städten realisieren. Es werden ganztägig Veranstaltungen organisiert, die Workshops, künstlerische Positionen und abschließende Diskussionen umfassen und sich den vielfältigen Themen einer pluralistischen Erinnerungskultur widmen.
Veranstaltungen »Memory Matters« in Dresden: 22. & 30. September 2024