
Am 28. November macht das CPPD-Festival »Voices Rising« Station in Wien. Höhepunkt der Veranstaltung ist die Eröffnung des neuen Dynamic Memory Labs »listening | re:member | re:act«.
PROGRAMM:
VERNETZUNGSTREFFEN »Zuhören nach innen«
zur Eröffnung des Dynamic Memory Lab »Zuhören«für erinnerungskulturelle und -politische Akteur*innen
Moderator*innen: Benjamin Fischer & Eșim Karakuyu
Einlass: 9:30 Uhr | 10:00–13:00 Uhr | Mittagessen 13:00–14:00 Uhr | FLUCC Wien, Deck
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DML ERÖFFNUNG & KURATOR*INNENREDE
»listening | re:member | re:act«
14:30–15:30 Uhr | FLUCC Wien, außen
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STAFFELGESPRÄCH WEITERHÖREN
16:00–18:00 Uhr | FLUCC Wien, Wanne
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Die Mitglieder der CPPD engagieren sich für eine plurale Erinnerungskultur. Gerade Netzwerke, die gesellschaftliche Konflikte bearbeiten, laufen Gefahr, diese Konflikte vor allem außerhalb ihrer selbst zu verorten. Die Bruchlinien der Gesellschaft enden jedoch nicht an den Grenzen des eigenen Netzwerks. Sie verlaufen durch unsere Biografien, politischen Überzeugungen, sozialen Positionen und Deutungen von Geschichte.
Das betrifft Fragen von Migration, Flucht und Zugehörigkeit ebenso wie soziale Ungleichheit und wirtschaftliche Unsicherheit, Klimaschutz und Verteilungsgerechtigkeit, Krieg, Aufrüstung und Wehrpflicht, Israel und Palästina, Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus. Auch der Umgang mit der AfD, Geschlecht und sexuelle Vielfalt, Meinungsfreiheit und Protest, Religion und Säkularität sowie Ost-West-, Stadt-Land- und Generationenkonflikte machen vor der CPPD nicht halt.Hinter diesen Auseinandersetzungen stehen wiederkehrende Grundspannungen: Zugehörigkeit und Begrenzung, universelle Rechte und partikulare Solidarität, Sicherheit und Freiheit, moralische Klarheit und Kompromiss, gesellschaftliche Transformation und soziale Zumutbarkeit, Repräsentation und institutionelle Autorität, Erinnerung als Verantwortung und Erinnerung als Machtordnung. Diese Spannungen lassen sich nicht einfach auflösen. Sie müssen ausgehalten, verhandelt und in eine gemeinsame Praxis übersetzt werden.
»Zuhören nach innen« wendet deshalb den Anspruch des Dynamic Memory Lab auf den eigenen Kreis an – weder als Anklageforum noch Konsensmaschine. Es geht nicht darum, die richtige gemeinsame Position zu bestimmen, bestehende Konflikte beizulegen oder Einigkeit herzustellen. Es geht darum, einander gerade dort zuzuhören, wo Überzeugungen auseinandergehen; Unsicherheiten, Verletzungen und Widersprüche zur Sprache zu bringen; und wahrzunehmen, welche Erfahrungen und Perspektiven im Netzwerk bislang wenig Raum erhalten.
Ziel ist eine gemeinsame Verabredung darüber, wie die CPPD mit ihren inneren Differenzen umgehen will: Was ist nicht verhandelbar? Wo kann Dissens bestehen bleiben? Wie sprechen wir über Verletzungen und Machtungleichheiten? Und wie bleiben wir gemeinsam handlungsfähig, ohne Unterschiede zu übergehen oder durch vorschnelle Einigkeit unsichtbar zu machen? Zuhören bedeutet dabei nicht, dem Konflikt auszuweichen. Es ist der Versuch, ihn verantwortlich miteinander auszutragen.
Was verändert sich, wenn wir jenen Stimmen wirklich zuhören, die längst an der Erinnerung und Zukunft europäischer Gesellschaften mitarbeiten? Erinnerungskultur ist in ganz Europa ein umkämpftes Feld. Das Dynamic Memory Lab „listening | re:member | re:act“ zeigt Erinnerung als Praxis: lebendig, plural, veränderbar – und als etwas, in das eingegriffen wird. Im Mittelpunkt stehen Menschen und Initiativen, die inmitten gesellschaftlicher Krisen handlungsfähig bleiben: Sie erinnern, organisieren, widersprechen, verbinden, reparieren und schaffen Räume, in denen solidarische Formen des Zusammenlebens möglich werden. Ihre Arbeit ist Intervention und Reflexion zugleich – sie verschiebt, woran in Europa erinnert wird und wer dabei spricht.
Das transnationale Ausstellungsprojekt verbindet die Arbeit der Coalition for Pluralistic Public Discourse (CPPD)Berlin mit der Initiative „Erinnern in Zukunft“ der Brunnenpassage Wien. Das Dynamic Memory Lab ist ein innovatives Ausstellungsformat, das urbane Erfahrungen von Migration, Teilhabe und Zugehörigkeit verhandelt. Seine Grundlage ist eine politische Praxis des Zuhörens, die Erfahrungen in Beziehung setzt, Zugehörigkeit erweitert und gesellschaftlichen Wandel vorstellbar macht: Für die Ausstellung wurden Audio- und Videointerviews mit rund 20 zivilgesellschaftlichen Akteur*innen aus migrantisch-diasporischen, antirassistischen und künstlerischen Kontexten geführt. Die Anliegen aller Beteiligten werden zudem über je ein symbolisches Objekt oder Material visuell und haptisch erfahrbar. Die Stimmen, die hier zum Klingen kommen, und die Objekte, die sie begleiten, machen Besucher*innen zu Beteiligten eines gesellschaftlichen Wandels – ohne sie zu vereinnahmen. Wer zuhört, wird nicht überzeugt, sondern in Beziehung gesetzt. Das Dynamic Memory Lab ist damit auch eine künstlerische Intervention am Wiener Praterstern: Dort, wo täglich Zehntausende umsteigen, aneinander vorbeigehen und weiterziehen, entsteht ein Ort des Bleibens – aus dem Transitraum wird ein Resonanzraum.
Am 28. November 2026 eröffnet das Dynamic Memory Lab im Wiener FLUCC, im Zeichen des Jubiläums „60 Jahre Anwerbeabkommen mit dem ehemaligen Jugoslawien“.
Wir danken dem Flucc Wien sowie dem Festival „Die Verhältnisse zum Tanzen bringen” für die Kooperation.
Das heimaten Netzwerk ist eine Initiative von Haus der Kulturen der Welt im Rahmen von heimaten, gefördert durch Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Das Dynamic Memory Lab ist ein Projekt der Coalition for Pluralistic Public Discourse (CPPD) und wird von DialoguePerspectives. Discussing Religions and Worldviews e.V. realisiert. Die Umsetzung des Dynamic Memory Lab »listening | re:member | re:act« ist produziert in Zusammenarbeit mit der Initiative Erinnern in Zukunft der Brunnenpassage Wien ©CPPD, Berlin/Wien 2026
Was verändert sich, wenn ein Gespräch nicht vom Antworten, sondern vom Weiterhören ausgeht?
WEITERHÖREN ist ein Gesprächsexperiment: Aktivist*innen aus unterschiedlichen Bewegungen, Communities und Konfliktfeldern übernehmen nacheinander den Platz am Gesprächstisch – jeweils für 20 Minuten, jeweils zwei Akteur*innen. Ohne klassische Moderation, ohne Podiumsdiskussion, ohne Schlussstatement knüpfen die Personen an das an, was zuvor gesagt wurde, bevor sie ihre eigene Perspektive einbringen. So entsteht ein Gespräch, das weiterwächst.
Auch das Publikum wird Teil des Formats. Die Besucher*innen können sich auf einen freien Stuhl setzen, bis zu drei Fragen stellen und anschließend der nächsten Person Platz machen. Nicht Debatte, sondern Begegnung wird zum Prinzip.
Die Gespräche werden aufgezeichnet und anschließend als Podcast veröffentlicht.