„GEMEINSAM – GEGENWART – GEDENKEN“ | Thementag beim Kunstfest Weimar

„Historische Verantwortung ist nicht abwählbar.“ Mit diesen Worten forderte die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora am vergangenen Sonntag Bund und Länder auf, die Unabhängigkeit von Gedenkstätten – vor allem in Sachsen-Anhalt – rechtlich abzusichern: durch Förderstrukturen, die Einrichtungen auch bei einem politisch motivierten Entzug von Landesmitteln handlungsfähig halten, durch die gezielte Einbeziehung kleinerer Gedenkstätten und lokaler Initiativen sowie durch den Ausbau bestehender Netzwerke für gemeinsame Bildungsarbeit, rechtliche Beratung und öffentliche Unterstützung bei Angriffen auf Einrichtungen und ihre Beschäftigten.

Wie dringlich diese Forderung ist, zeigte sich am selben Abend beim gemeinsamen Thementag „GEMEINSAM – GEGENWART – GEDENKEN“, den die CPPD zusammen mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora im Rahmen des Kunstfests Weimar veranstaltete. Kurz nach 18 Uhr verfolgten Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Noa K. Ha, wissenschaftliche Geschäftsführerin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) und Nicole Schweiß, Lehrerin und Multiplikatorin für diskriminierungskritische Bildungsarbeit gemeinsam mit dem Publikum die ersten Hochrechnungen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Obwohl das Ergebnis niemanden überraschte, sorgte es für einen Moment des Innehaltens und kurzer Sprachlosigkeit, bis klare Worte folgten: „Sich nicht trennen lassen!“

 

Der Thementag

In zwei Workshops, einem Podiumsgespräch und einem Konzert ging der Tag der Frage nach, was Gedenken heute bedeutet, wie es sich zur Gegenwart verhält und wie es als gemeinschaftliche, aktive Praxis gelebt werden kann. Akteur*innen aus dem CPPD-Netzwerk, aus Bildungsarbeit, Wissenschaft und Gegenwartskünsten, kamen zusammen, um Ansätze und Herausforderungen einer pluralen Erinnerungskultur zu diskutieren.

 

Workshops

„Lieder als Erinnerung“: Die Musiker*innen Yael Gat und Alex Stolze aus dem Dagesh-Netzwerk erkundeten mit den Teilnehmenden jüdische Lieder als Träger von Erinnerung und Ausdruck von Widerstand und verbanden dabei historische Erzählungen mit musikalischer Praxis.

„Dimensionen pluraler Erinnerungskultur“: Nicole Schweiß und Igor Mitschnik, Geschäftsführer von Austausch e.V., fragten mit den Teilnehmenden, wessen Geschichte erinnert wird und wessen nicht. Anhand eines Koordinatensystems der Gleichzeitigkeiten zwischen Vergangenheit und Zukunft machten sie unterschiedliche Erinnerungsthemen, Spannungsfelder und fehlende Perspektiven sichtbar.

Im Zentrum des Abends stand das Podiumsgespräch zwischen Jens-Christian Wagner und Noa K. Ha. Moderiert von Nicole Schweiß sprachen beide darüber, wie Gedenken vereinnahmt werden kann und wie Erinnerung zur Grundlage von Solidarität werden kann – eine Frage, die durch den Wahlabend zusätzliche Dringlichkeit gewann

Konzert

Zum Ausklang des Tages verwoben Yael Gat und Alex Stolze in ihrem Konzert jüdische Musikgeschichte mit zeitgenössischer Sound-Ästhetik und schufen, unter spontaner Beteiligung von Teilnehmenden des vorhergehenden Workshops, einen Klangraum, der historische Wurzeln und Gegenwart eng miteinander verband.

Der Thementag hat einmal mehr gezeigt: Eine plurale Erinnerungskultur braucht Raum für unterschiedliche Erfahrungen und die kritische Auseinandersetzung mit deutscher und europäischer Geschichte. Wir danken dem Kunstfest Weimar und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora für die Zusammenarbeit und unseren Netzwerkwerkmitgliedern für ihre Beiträge. Wir freuen uns auf die Fortsetzung dieses Austauschs!

Fotos: Thomas Müller & Candy Welz | Kunstfest Weimar

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