1. November 1979: Schädigung des Grabes von Yadollah im Herbst in Iran

Gastbeitrag von Hiwa

Hiwa ist 14 und Schülerin. Sie lebt in einer deutschen Großstadt mit ihren Eltern und ihrer Schwester und besucht die 9. Klasse. Hiwa hat noch Familie im Iran. Daher wird aus Sicherheitsgründen auf vollständige Namen und Ortsangaben verzichtet. Das genaue Datum der Schädigung des Grabes ist nicht bekannt.

“Meine Oma ist Baha’i. Baha’is bilden die größte religiöse Minderheit im Iran. Ihre Anhänger werden vom islamischen Regime systematisch verfolgt und diskriminiert.Meine Oma ist nie religiös gewesen, trotzdem wurde sie 1981, als sie im Iran beim Militär arbeitete, von den Mullahs vor die Wahl gestellt: Zum Islam konvertieren oder entlassen werden. Sie entschied sich, Baha’i zu bleiben, aus Respekt zu ihrem Vater, Yadollah, der zu dem Zeitpunkt schon seit zwei Jahren verstorben war. Im Jahr 1981, als meine Oma entlassen wurde, war das islamische Regime erst zwei Jahre alt.

Yadollah (1909-1979), mein Urgroßvater, wurde in Iran geboren. Er war gläubiger Baha’i. Yadollah lebte sein ganzes Leben im Iran, arbeitete in der Landwirtschaft und starb im Jahr der Iranischen Revolution. Er und seine Frau Khadije hatten drei Söhne und sieben Töchter. Er war sehr hart arbeitend und fleißig. Yadollah arbeitete in der Landwirtschaft, bis er im Alter von 70 Jahren starb.

Als er starb, wütete die Islamische Revolution. Da das islamische Regime die Bahai nicht anerkannte und verfolgte, traute keiner seiner Freunde und Verwandten sich, die Beerdigung durchzuführen oder sich überhaupt um ihn zu kümmern. Außerdem wurde der Baha’i-Friedhof zerstört und enteignet. Deshalb wurde sein ältester Sohn kontaktiert um sich um ihn zu kümmern. Da er Moslem war, entschied er, seinen Vater auf einem muslimischen Friedhof zu begraben.

Kurze Zeit danach kam ein Mullah ins Dorf. Er erfuhr, dass ein Baha’i auf einem muslimischen Friedhof begraben lag und schimpfte mit den Dorfbewohnern, wie dumm und schlimm das von ihnen war. Er sagte, dass überall, wo ein Baha’i begraben ist, die Umliegenden im Kreise von 500 Meter im Höllenfeuer brennen würden und dass sie Yadollah umgehend aus seinem Grab holen und verbrennen müssten. Die Menschen glaubten ihm. Schließlich beschlossen ein paar Männer ihn rauszuholen. Da sie das nicht schafften, verbrannten sie seinen Leichnam im Grab.

Mein Urgroßvater ist nur einer von vielen Baha’is, denen Unrecht getan wurde. Noch heute werden Baha’is im Iran verfolgt, bedroht und ihrer Rechte beraubt und sitzen in Gefängnissen. Wo Muslime ihre verstobenen Familienangehörige oder Freunde ganz einfach auf dem Friedhöfen beerdigen und besuchen können, ist das für die Baha’is mit vielen Komplikationen verbunden.“

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