Antifeministisch motivierter Amoklauf an der Polytechnischen Hochschule Montréal in Kanada

Stephanie Kuhnen


Geneviève Bergeron
(21) – Ingenieurstudierende

Hélène Colgan (23) – Maschinenbau

Nathalie Croteau (23) – Maschinenbau

Barbara Daigneault (22) – Maschinenbau

Anne-Marie Edward (21) – Chemieingenieurwesen

Maud Haviernick (29) – Werkstofftechnik

Barbara Maria Klucznik-Widajewicz (31) – Krankenpflege

Maryse Laganière (25) – Verwaltung / Personalabteilung

Maryse Leclair (23) – Maschinenbau

Anne-Marie Lemay (22) – Maschinenbau

Sonia Pelletier (28) – Maschinenbau

Michèle Richard (21) – Maschinenbau

Annie St-Arneault (23) – Maschinenbau

Annie Turcotte (21) – Technischer Ingenieurstudiengang

wurden von einem Mann ermordet, weil sie Frauen waren. Das „Massaker von Montréal“ war weder ein durch ein individuelles Ereignis ausgelöster Amoklauf, noch ein „Rachefeldzug“, sondern sorgfältig geplanter ideologischer, gender-basierter Terrorismus: Ein vierzehnfacher Femizid.

Am 6. Dezember 1989 betrat ein bewaffneter Mann das technische College an der École Polytechnique in Montreal, trieb die dort Anwesenden zusammen und trennte gezielt Männer von Frauen. Dann eröffnete er das Feuer – auf eine Universitätsangestellte und die Studentinnen, während ihre Kommilitonen zusehen mussten. Vierzehn Frauen wurden in knapp zwanzig Minuten brutal ermordet, zahlreiche weitere Personen wurden verletzt. Der Täter nahm sich anschließend das Leben, um seiner Verhaftung zu entgehen. Später wurde bei ihm eine schriftliche Liste gefunden, auf der er weitere Frauen aufführte, die er als „Feministinnen“ bezeichnete und deren Ermordung er ebenfalls geplant hatte. Viele dieser Frauen hatten keinerlei persönliche Verbindung zu ihm, darunter Wissenschaftlerinnen, Politikerinnen und Aktivistinnen. Diese Liste verdeutlichte, dass das Attentat eindeutig antifeministisch/misogyn motiviert war und dass er zuvor viel Zeit mit Vorbereitung seiner Morde verbracht hatte. Den Begriff „Feministinnen“ verwendete der Täter, um seine Taten zu legitimieren, seine Opfer zu devaluieren und davon abzulenken, dass er von kalkuliertem Frauenhass angetrieben war. Diese gewalttätige Misogynie fand er nicht in Internetforen oder in einer bereits vorhandenen Incel-Kultur, sondern entwickelte ihn völlig eigenverantwortlich aus dem strukturellen Sexismus der Gesellschaft, die ihn umgab.

Unmittelbar nach der Tat reagierte Kanada mit nationaler Trauer. Mahnwachen wurden landesweit abgehalten, und Debatten über den Schutz von Frauen, das Recht auf Bildung und die Verantwortung der Gesellschaft für patriarchale Gewalt entflammten. Die kanadische Regierung erklärte den 6. Dezember später zum National Day of Remembrance and Action on Violence Against Women, ein Tag, der bis heute der Erinnerung an die Opfer und der Sensibilisierung für Gewalt gegen Frauen gewidmet ist.

Langfristig hatte das Massaker weitreichende Folgen. In der politischen Debatte führte es zu einer schrittweisen Verschärfung der kanadischen Waffengesetze, darunter strengere Kontrollen und Registrierungen. Feministische Organisationen gewannen an Sichtbarkeit und erhielten staatliche Förderungen, neue Initiativen für Gleichstellung und Schutz vor Gewalt entstanden, insbesondere an Universitäten und in technischen Studiengängen, die zuvor überwiegend männlich geprägt waren. Die Tat wurde zum Ausgang für die Auseinandersetzung mit Misogynie, struktureller Diskriminierung und Femizid.

Heute gilt das „Massaker von Montreal“ als Wendepunkt in der kanadischen Erinnerungskultur. Es sensibilisierte die Öffentlichkeit für die Bedrohung durch geschlechtsspezifische Gewalt, stärkte politische Initiativen und prägt die Forschung zu Femizid und Misogynie.

Literatur:

  1. “I Hate Feminists!”: December 6, 1989 and its Aftermath – Fernwood Publishing
  2. Intersecting Memories: Bearing Witness to the 1989 Massacre of Women in Montreal | Hypatia | Cambridge Core

Film: Polytechnique | Film 2009 | Moviepilot

News anlässlich des 35ten Jahrestages: Polytechnique massacre: Montreal marks 35th anniversary of anti-feminist mass killing

 

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