CPPD Festival »Voices Rising: Memory Unsilenced«
After the Carnations – Cycles of Decolonisation and Democratic Futures


24 & 25 April 2026 | Biblioteca de Alcântara – José Dias Coelho, Lisbon

Am 24. und 25. April 2026 findet in Lissabon das 2. CPPD Festival »Voices Rising: Memory Unsilenced« statt. Höhepunkt des Festivals ist die Eröffnung des Dynamic Memory Lab „Cycles of Decolonisation“, gemeinsam mit den Kurator*innen Dr Cátia Severino und André Soares. Das Eröffnungsprogramm umfasst Performances, musikalische Beiträge sowie eine Podiumsdiskussion. Die Veranstaltung findet auf Portugiesisch und Deutsch statt.


PROGRAMM 

CHORPERFORMANCE
24. April 2026 | 18 Uhr

Ein Chor interpretiert zentrale politische Lieder u. a. von José Afonso, José Mário Branco und Adriano Correia de Oliveira, die eng mit der portugiesischen Diktatur und der Nelkenrevolution verbunden sind. Die musikalische Performance macht Geschichte hörbar und schafft einen kollektiven Raum des Erinnerns und Widerstands.


PANEL DISKUSSION

After the Carnations – Cycles of Decolonisation and Democratic Futures
24. April 2026 | 18:30 Uhr
mit Dr. Iolanda Évora, Dr Ibou Diop & Dr Cátia Severino

Lange Zeit wurde Sichtbarkeit in Erinnerungskulturen und -politik als etwas verstanden, das institutionell durch Museen, Lehrpläne und offizielle Gedenkfeiern gesteuert wurde. Dieses Modell wird zunehmend in Frage gestellt. Heute entfaltet sich das Gedenken auf dezentrale und kollaborative Weise, geprägt von Gemeinschaften und gemeinsamen Praktiken. Dieser Wandel ermöglicht zwar neue Stimmen und neue Formen der Sichtbarkeit, wirft aber auch wichtige Fragen nach Legitimität, Verantwortung und Solidarität auf: Wessen Erinnerungen stehen im Vordergrund? Welche bleiben ungehört? Und wie kann kollektives Gedenken jenseits institutioneller Kontrolle aufrechterhalten werden?

In diesem Zusammenhang ist es entscheidend, sich mit dem Erbe des europäischen Kolonialismus auseinanderzusetzen. Es bedarf langfristiger und gesellschaftlich wirksamer Strategien der Dekolonialisierung, und sowohl künstlerische als auch partizipative Ansätze können eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung dieser Prozesse und der Förderung einer widerstandsfähigen Erinnerungskultur spielen. Die Podiumsdiskussion findet am 24. April, am Vorabend des Jahrestags der Nelkenrevolution, statt und reflektiert über die Rolle der Erinnerungskultur im heutigen Europa. Sie bringt Mitglieder des europäischen CPPD-Netzwerks und portugiesische Expert*innen zusammen. Dr. Ibou Diop wird „Kolonialismus erinnern“ vorstellen, ein stadtweites Gedenkkonzept für das Land Berlin, das sich für die kritische Einbindung der Kolonialgeschichte in die Bildungs- und Bürgerpraxis einsetzt. Dr. Iolanda Évora bringt Perspektiven aus ihrer Arbeit im europäischen Projekt Democracy in Action, insbesondere im Bereich Race, Ethnicity and Civic Participation, ein und greift dabei auf ihre vorherige Tätigkeit als Koordinatorin des Projekts Afro Port zurück. Die Diskussion wird von Cátia Severino moderiert.


PERFORMATIVE LESUNG
»The Notebook of Colonial Memories«
24. April 2026 | 19:30 Uhr
mit Coletivo de Teatro da Biblioteca de Alcântara – José Dias Coelho

In einer szenischen Lesung werden Auszüge aus dem autobiografischen Werk von Isabela Figueiredo performt, das koloniale Gewalt in Mosambik aus der Perspektive eines jungen Mädchens erfahrbar macht. Die Lesung verbindet persönliche Erinnerung mit politischer Geschichte und beleuchtet die Ambivalenzen kolonialer Machtverhältnisse.


ERÖFFNUNG 

Dynamic Memory Lab »Cycles of Decolonisation«
24. April 2026 | 20 Uhr

Das Dynamic Memory Lab „Cycles of Decolonisation“ lädt seine Besucher*innen ein, sich mit einem zentralen Thema unserer Erinnerungskultur auseinanderzusetzen: der europäischen Kolonialgeschichte und der Entkolonialisierung. In einer immersiven und interaktiven Ausstellung werden die Besucher*innen mit dem Erbe des europäischen Kolonialismus und seinen heutigen Erscheinungsformen konfrontiert. Die Ausstellung legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Strukturen der Entmenschlichung, die bis heute wirksam sind. Sie versucht, die mit der Entmenschlichung verbundene Unsichtbarkeit aufzubrechen und rückt den menschlichen Aspekt in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit.

»Cycles of Decolonisation« wurde unter der Kuration von Cátia Severino und André Soares entwickelt, mit Beiträgen von europäischen Künstler*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen des CPPD. Die Kurator*innen lenken unseren Blick auf die Kontinuitäten des europäischen Kolonialismus. Am Beispiel von Lieferfahrer*innen zeigen sie uns die heutigen Erscheinungsformen, in denen das Erbe des europäischen Kolonialismus bis in die Gegenwart fortbesteht. »Cycles of Decolonisation« veranschaulicht, wie zeitgenössische Wirtschaftssysteme koloniale Dynamiken wiederholen können, auch ohne die direkte Gewalt und territoriale Besetzung, die mit der historischen Kolonialisierung verbunden sind.

Nach Stationen in Berlin und Madrid wird das DML „Cycles of Decolonisation“ in der Biblioteca de Alcântara – José Dias Coelho in Lissabon eröffnet und ist dort bis September 2026 zu sehen.


PERFORMANCE

Ribbons
24. April 2026 | 18-21 Uhr
mit Renee van Bavel

In der Live-Performance RIBBONS näht die Künstlerin gesammelte Gedenkschleifen aus internationalen Erinnerungsorten zu einem fortlaufenden, kollektiven Kunstwerk zusammen. Die Arbeit verbindet unterschiedliche Geschichten, Perspektiven und Formen des Gedenkens zu einer gemeinsamen, transnationalen Erzählung. Als offene und wachsende Praxis lädt RIBBONS dazu ein, über Erinnerung, Gegenwart und die Möglichkeiten von Zusammenhalt und Frieden nachzudenken.

*Das gesamte Programm am 24. April ist öffentlich zugänglich.

> Anmeldung für das Programm am 24.4.


WORKSHOP & FÜHRUNG

From Revolution to Reflection: Embodying April 25 in Collective Memory
25. April 2026 | 13-17 Uhr

Mehr als fünf Jahrzehnte später besteht der jährliche Marsch am 25. April als eine Form verkörperter Erinnerung fort, in der Erinnerung nicht nur erinnert, sondern durch kollektive Präsenz im öffentlichen Raum praktiziert wird. Diese performative Kontinuität zeigt, wie die Revolution über Generationen hinweg gelebt, weitergegeben und neu gedeutet wird. Zugleich artikulieren und beanspruchen unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen den 25. April auf jeweils eigene Weise, wodurch Spannungen, Leerstellen und konkurrierende Narrative darüber sichtbar werden, was die Revolution war und was sie bis heute einfordert.

Der Workshop und die Führung werden von den CPPD-Mitgliedern Dr Cátia Severino und André Soares durchgeführt.

*Das Programm am 25. April richtet sich an CPPD-Mitglieder.